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Der Titel des Romans "Liebeswut" von Fernanda Eberstadt - er verspricht einen Roman über eine amour fou, eine obsessive Leidenschaft. Und darum geht es auch - so scheint es. Doch aus der Ausgangskonstellation - junge, erfolgreiche amerikanische Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Russlandforschung - trifft wenig erfolgreichen, linken Chef einer Puppenspielertruppe entwickelt sich mehr. Zuerst sicher: eine große Leidenschaft, in der zwei Menschen sich ineinander verkrallen, nicht mehr voneinander lassen können, sich gegenseitig auffressen - und dabei allen Widerständen von außen trotzen. Der Familie, den Freunden, der Truppe, den eigenen Überzeugungen.

Doch schließlich setzt sich die Liebe durch - die beiden heiraten, bekommen ein Kind. Und erst da beginnt der Wahnsinn. Plötzlich schläft die Liebe der beiden ein. Langsam erkaltet die Leidenschaft - von gelegentlichen Ausbrüchen abgesehen, die aber die Trostlosigkeit der Ehe eher verstärkt. Das Kind wird zum Zankapfel der einst so Verliebten. Es wird zum Ersatz-Objekt des Hasses und der Ablehnung. Und es wird zur Projektion des Unglücks.

Vom Befreiungsschlag zum Fiasko

Denn die Frau versinkt in der Mutterrolle - emotional manchmal sogar glücklich - aber eigentlich begehrt sie auf. Sie will nicht nur Mutter sein. Sie will wieder arbeiten. Sie will, dass ihr ebenso glückloser wie fauler Mann eine Arbeit annimmt, mit der er wenigstens etwas dazuverdient. Doch der weigert sich - lebt verträumt sein Leben, nimmt seine Rolle als Vater nur wahr - wenn es ihm passt. Sonst hat er nichts mit dem Kind zu tun - außer abrupten Zärtlichkeitsanfällen. Und es beginnt ein zähes Auseinanderleben, ein von ungläubigem Staunen begleitetes Sich Verlieren. Es beginnt eine zunehmend eisiger werdende Ehehölle, in der beide sich verrennen - unfähig sind, sich zu überschreiten, auf den Anderen zuzugehen. Solange schließlich - bis die Ehe scheitert. Was wie ein Befreiungsschlag wirkt, aber dann in einem tödlichen Fiasko endet.

Fernanda Eberstadt hat mit ihrem opulentem Roman "Liebeswut" einen psychologisch präzisen Röntgenblick auf das Scheitern einer großen Liebe gelegt. Sie beschreibt intuitiv genau warum eine Obsession scheitern muss, weil Liebe eben nicht alle Gegensätze überwindet. Sie zeigt die Verwerfungen einer Beziehungen, in der ein Wunschkind alles zerstört, was es an Gemeinsamkeiten gibt - ohne dass es natürlich schuld ist. Denn schuld am Scheitern sind beide - der Mann und die Frau, die nicht aufeinander zugehen können. Fazit: "Liebeswut" ist ein Roman über die Tragödie des Scheiterns der Liebe.

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