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Berlin: Abendlicher Blick auf das Beisheim Center am Potsdamer Platz in Berlin (Foto: picture-alliance)

Berlin

Frostiger Filmkarneval in Berlin

Die Berlinale findet immer dann statt, wenn es in Berlin richtig kalt ist. Trotzdem wird das Festival mit dem Bären immer beliebter. Stars und Besucher frieren vor den Kinosälen - und kommen doch wieder.

Jammern über das Wetter ist ein Ritual der Berlinale, und es ist meistens ja auch eine Herausforderung. Es ist immer kalt, oft frostig, meist windig, gern mal matschig. Der immer gut gelaunte Festivalleiter Dieter Kosslick ist an seinem dicken Schal zu erkennen. Er verteilt Hustenbonbons auf dem roten Teppich. In den 1970er Jahren wurde die Berlinale extra vom Sommer in den Winter verlegt – gerade weil die beiden anderen großen Festivals Cannes und Venedig im Mai beziehungsweise September stattfinden. Und trotz der Kälte, irgendetwas scheinen diese zehn Tage im Februar zu haben. Das Festival wird immer populärer, die Zuschauerzahlen steigen und auch immer mehr Stars zieht es nach Berlin – und nicht nur, weil es in den Kinos warm und trocken ist.

Frostig draußen, politisch drinnen: Die Berlinale 2012

Berlin ist natürlich immer eine Reise wert, gerade für den Filmfan. Es gibt hier zum Beispiel eine Menge Originaldrehplätze von Film-Klassikern wie etwa "Lola rennt" zu besuchen - oder man kann sich angucken, wo Shah Rukh Khan seinen Berliner Bollywood-Film "Don - The King is Back" abdrehte. Am Potsdamer Platz liegt das Filmmuseum und davor gibt es sogar einen eigenen deutschen "Boulevard Of Stars" mit in die Straße eingelassenen Sternen - fast wie in Los Angeles. Und nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt liegt das deutsche Hollywood: Die Filmstudios von Babelsberg, wo von "Metropolis" bis zu "Inglourious Basterds" Meilensteine der Filmgeschichte abgedreht wurden.

Der Ausnahmezustand

Aber es sind Ausnahmetage in Berlin, wenn der Filmzirkus mit 20.000 Fachbesuchern aus aller Herren Länder einfällt. Die Star-verdächtigen Restaurants sind ausgebucht, die Bars voll. Berliner und Besucher mustern sich anders als normalerweise – war das eben nicht Keanu Reeves? Überall wuseln Filmaffine mit dem zentralen Accessoire herum: der jährlich neu designten Berlinale-Umhängetasche. Die Clubs sind immer mal wieder geschlossen, weil eine Berlinale Party stattfindet – und davon gibt es eine Unmenge. Vom stilvollen Umtrunk bis zum wilden Gelage ist alles dabei. Es ist Filmkarneval.

Stern von Vicco von Buelow auf dem BOULEVARD DER STARS am Potsdamer Platz in Berlin.

Stars in Berlin

Wie viele Besucher extra zur Berlinale anreisen, kann man kaum sagen. Natürlich sind die Hotels deutlich stärker ausgelastet als in anderen Winterwochen, aber das ist nicht alleine aussagekräftig. Viele Berliner kennen das Phänomen des Berlinale-Besuchs: Film-Freunde, die für eine paar Festivaltage das Schlafsofa beziehen, schon morgens ins Kino verschwinden und spät abends wieder zurückkommen. Wie Veronika Klaus. Die 40-jährige zog vor einigen Jahren nach Hamburg, aber zur Berlinale kommt sie trotzdem jedes Jahr zurück, mindestens für ein Wochenende. Natürlich wegen der Filme, aber auch dem Drumherum. "Ich stelle mich jetzt nicht an die roten Teppiche, und gehe nicht auf die Parties. Aber das Leute gucken und auch mal einen Promi entdecken - das ist schon toll", sagt die Studienrätin. Zum Filme gucken schwört sie auf das Kino International - das alte Premierenkino der DDR auf der Karl-Marx-Allee in Mitte. "Atmosphäre, Architektur und der goldene Vorhang, das ist einmalig."

"Immer möglich, an Karten zu kommen"

Die Berlinale versteht sich als Publikumsfestival - und ist deshalb für Besucher natürlich besonders interessant. Fast 300.000 Tickets sind frei verkäuflich. "Es ist immer irgend wie möglich an Karten zu kommen", sagt Natalie Watts aus London. "Das ist auf anderen Festivals anders." Sie kommt seit sechs Jahren mit ihrem Mann Gary  zur Berlinale. "Die Atmosphäre ist sehr relaxed und die Diskussionen mit den Regisseuren nach dem Film oft interessant. Wir mögen einfach deutsche Filme - und von denen kriegt man ja in England normalerweise nicht so viele zu sehen."

Schauspielerin Aylin Tezel posiert  bei der Berlinale 2011(Foto: dapd)

Am Roten Teppich gibt es immer was zu sehen

Obwohl immer mehr Kinos dazukommen, sind die Vorstellungen immer randvoll. Der Vorverkauf findet jeweils drei Tage im Voraus, für die Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus statt. An den Vorverkaufstellen heißt es dann Schlange stehen. Bequemer (und wärmer) ist es, immer mal wieder auf dem Online-Portal der Berlinale vorbeischauen. Wer durchkommt, kann sich einen Coupon ausdrucken, mit dem man die Karten dann am Potsdamer Platz abholt. "Man muss aber auf jeden Fall viel Zeit einplanen, um die Tickets dort abzuholen", erzählt Watts.

Das Herz des Festivals

Am Potsdamer Platz gibt es aber nicht nur die Tickets, hier muss man während der Berlinale einfach mal gewesen sein. Hier liegt der zentrale Rote Teppich, hier schaut wirklich jeder Star vorbei. Hier glitzern die Lichter in den Glasfassaden der hochmodernen Architektur, die hier an historischer Stelle nach dem Fall der Berliner Mauer enstanden ist. Hier werden im Berlinale-Palast die Preise verliehen, hier wird auch Hollywoodstar Meryl Streep am 19. Februar, dem letzten Tag der Berlinale 2012, den Goldenen Ehrenbären erhalten.

Dann sind viele Besucher wahrscheinlich schon wieder zuhause, kurieren ihre Erkältung und bekämpfen ihre tiefen Augenringe. Sie werden wahrscheinlich über das Wetter jammern – und im nächsten Jahr gerne wiederkommen.

Autor: Oliver Samson

Redaktion: Lina Elter

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