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Die Freiheit kommt nicht von allein

Am Montag (3.5.04) wurde der Internationale Tag der Pressefreiheit begangen. Informationsrechte sind in vielen Staaten eingeschränkt oder bedroht. Anti-Terror-Kampf und Kriege verschlechtern die Situation zusätzlich.

In vielen Staaten der Erde gibt es keine Pressefreiheit

In Diktaturen leben kritische Journalisten gefährlich. Sie werden verfolgt, verhört, ins Gefängnis geworfen oder gar ermordet. Ihre so genannten Vergehen? Sie berichten über korrupte Politiker oder Wirtschaftsführer. Sie recherchieren, wie Militärs Zivilisten drangsalieren. Sie prangern islamistische Prediger an, die zu Hass und Verfolgung von Andersdenkenden aufrufen. Sie decken auf, wie das organisierte Verbrechen die Gesellschaft zersetzt.

Die Argumente totalitärer Herrscher ähneln sich, wenn es darum geht, der heimischen Presse einen Maulkorb anzulegen: Sie hätten im Prinzip nichts gegen Demokratie und unabhängige Medien. Nur die Menschen in den jeweiligen Staaten seien eben noch nicht reif für die Freiheit.

Die jüngsten Berichte internationaler Menschenrechtsorganisationen belegen: Nach wie vor leben zwei Drittel der Menschheit in Staaten mit eingeschränkter Meinungs- und Pressefreiheit. Eine Besserung zeichnet sich nicht ab. Argumente, die Medien zu knebeln, finden sich immer. Inzwischen wird der Kampf gegen den internationalen Terrorismus vorgeschoben, um die einheimischen Medien zu zensieren. Auch 2004 ist die Pressefreiheit weltweit bedroht.

Was also tun? Menschenrechtsorganisationen müssen weiterhin Verletzungen der Pressefreiheit publik machen, um so Druck auf die Regime auszuüben. Oft arrangieren sich westliche Regierungen mit halbautoritären Regimen, ob nun aus sicherheitspolitischen oder aus wirtschaftlichen Gründen. Mögen so genannte Realpolitiker ihre Fahne auch noch so hoch in den Wind hängen: Couragierte Journalisten und Menschenrechtler, ja alle politisch interessierten Bürger in freien Staaten müssen diesem Beispiel nicht folgen.

GLOSSAR:

von allein – ohne, dass jemand etwas dazu tut / hilft

etwas begehen – etwas feiern

jemanden drangsalieren – ärgern und belästigen; quälen

etwas oder jemanden anprangern – öffentlich Vorwürfe gegen etwas oder jemanden erheben

etwas aufdecken – etwas (Negatives) in der Öffentlichkeit bekannt machen

jemandem einen Maulkorb anlegen – jemandem verbieten, bestimmte Dinge zu sagen / schreiben

die jüngsten Berichte – die neuesten Berichte

etwas zeichnet sich ab – etwas wird langsam deutlicher; etwas deutet sich an

jemanden knebeln – jemandem ein Stück Stoff in den Mund stecken, damit er nichts sagen kann

die Medien knebeln – die Medien hindern, bestimmte Dinge zu schreiben

etwas vorschieben – etwas als Ausrede benutzen

publik machen – in der Öffentlichkeit bekann machen

die Fahne in den Wind hängen – sich einer Meinung oder politischen Richtung anschließen, um Vorteile zu haben oder um Auseinandersetzungen zu entgehen

DW.DE