Im Interview mit DW-WORLD warnt der UN-Sonderberichterstatter für das Söldnerwesen, Enrique Bernales Ballesteros, vor dem Einsatz von Privatarmeen im Irak und erklärt, was El-Kaida mit Söldnern zu tun haben könnte.
Prozess gegen mutmaßliche Söldner in Simbabwe
Ich werde mein Mandat in diesem Jahr nach 17 Jahren beenden. Ich habe einige Vorschläge bezüglich der privaten Sicherheitsfirmen gemacht, zum einen auf der Ebene des Menschenrechtsausschusses der UNO und zum anderen vor der Generalversammlung. Zunächst hat man meine Einschätzungen nicht berücksichtigt, doch in den letzten Resolutionen haben sowohl die Generalversammlung als auch der Ausschuss dieses Thema mit aufgenommen und meine Position unterstützt. Was fehlt, ist ein politischer Wille gemeinsam mit der UNO eine größere operative Handlungsfähigkeit auf diesem Gebiet zu ermöglichen.
In Ihrem letzten Bericht haben Sie davon gesprochen, dass es eine Verbindung zwischen Söldnertum und Terrorismus gibt. Was genau haben Sie damit gemeint?
Gemeinhin geht man davon aus, dass Terror von Fanatikern ausgeübt wird, die die Wertschätzung ihrers eigenen Lebens und das anderer verloren haben. Das ist gut möglich. Aber es ist auch folgendes denkbar: Wenn eine Gruppe das Ziel verfolgt, möglichst viel Terror zu verbreiten, dann braucht diese Gruppe dafür militärisches Fachwissen, über das ein Fanatiker nicht verfügt. Terrorismus ist häufig mit dem Drogenhandel verflochten und die Terror-Organisationen verfügen über so viele finanzielle Mittel, die es ihnen ermöglichen, sich von Experten für Terrorakte ausbilden zu lassen. Diese Möglichkeit ist realistisch. Aus der Betrachtung verschiedener Terroranschläge kann man schließen, dass Terroristen für ihre Planung und Training Söldner anheuerten.
Zum Beispiel?
Ich habe keinen Beweis, aber denkbar ist auch das: Die genaue Betrachtung der Anschläge des 11. September lässt vermuten, dass die Täter offensichtlich militärisch geschult worden sind und dass sie dieses militärische Training, nicht von Al-Kaida sondern von Leuten mit militärischen Fachkenntnissen in den USA selbst erhalten haben könnten. Wir wissen noch sehr wenig über den Terrorismus. Die internationalen Organismen müssen verstehen, dass terroristische Organisationen sehr viel intensiver untersucht werden müssen und zwar mehr über strategische Geheimdienstarbeit und Infiltration als über Krieg.
Sie haben 17 Jahre als Berichterstatter gearbeitet. Ist Afrika weiter Tummelplatz für Söldner?
Seit Mitte 2002 werden zum Beispiel immer wieder Söldneraktivitäten an der Elfenbeinküste angezeigt. Aber grundsätzlich gilt: Jeglicher bewaffneter Konflikt zieht Söldner unterschiedlicher Coleur an. Nehmen Sie Kolumbien, auch hier gibt es Söldner. Es ist offensichtlich, dass die FARC-Rebellen Söldner angeheuert haben, um Waffen zu kaufen und zu transportieren. Ein bekannter Fall ist die Aktion jordanischer und russischer Söldner, die über FARC-kontrolliertem Gebiet mindestens 10.000 Gewehre neuester Generation abwarfen.
Der Peruaner Enrique Bernales Ballesteros ist seit 1987 Berichterstatter der Vereinten Nationen für das Söldnerwesen. Sein Mandat endet offiziell im August 2004. Der Sonderberichterstatter ist beim Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) angesiedelt.
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