Am Vorabend des Ersten Weltkrieges reißen zwei nahezu zeitgleiche Ereignisse das verträumte Eiland Gema vor der dalmatinischen Küste aus seiner unbedeutenden Eintönigkeit.
Die bevorstehende Hochzeit des reichen, aber schon 50-jährigen Österreichers Hieronymus Franck, Besitzer des Inselkaufhauses EUROPA, mit der erst 18-jährigen Inselschönheit Alia Emar, hinter der mindestens ein Dutzend junger Männer her sind. Franck trägt seit seiner Jugend den spöttischen Beinamen "Dichter", weil ihn sein Vater, Bankier aus Salzburg, für kaufmännisch wenig begabt und daher für das praktische Leben untauglich hält.
Das zweite Ereignis ist die Ermordung eines ganzen Rekrutierungstrupps der kaiserlich-österreichischen Armee durch zwölf patriotisch-anarchistische Rebellen der Insel, die - wie sich schnell herausstellt - nahezu identisch sind mit der Verehrerschar der schönen Alia Emar. Nur einer von ihnen, Stefano Copetta, mit sanftem Wesen und kobaltblauen Augen ausgestattet, hat Chancen bei der jungen Schönen, die es jedoch vorzieht, dem wohlhabenden Bräutigam die Treue zu halten.
Unmittelbar nach der Hochzeit soll eine pünktlich fertig gestellte Luxusyacht das ungleiche Paar zur Hochzeitsreise nach New York bringen. Während des rauschenden Festes, an dem alle Bewohner Gemas, also auch die 12 Rebellen teilnehmen, die die österreichischen Soldaten auf dem Gewissen haben, geht eine österreichische Armada in Sichtweite von der Küste vor Anker, um im Morgengrauen eine Strafexpedition gegen die Insel zu unternehmen.
Hinreißend erzählter Roman
Die zwölf Rebellen, die seit ihrer Tat mit österreichischen Gegenmaßnahmen gerechnet hatten, bringen in letzter Minute die Yacht des Hochzeitspaares in ihre Gewalt und lassen sich damit sicher nach Italien bringen, von wo aus sie nach Chile emigrieren.
Hieronymus Franck dagegen wird von den österreichischen Invasionstruppen als Landesverräter angesehen und soll standrechtlich erschossen werden, zieht jedoch den Freitod mit einer vom österreichischen Kommandeur geliehenen Pistole vor. Das Schicksal der attraktiven Braut soll hier aus verständlichen Gründen verschwiegen werden.
Skármetas hinreißend erzählter Roman enthält zwar einige autobiografische Anspielungen - seine Großeltern sind kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges aus dem heutigen Kroatien nach Chile ausgewandert -, er ist aber in erster Linie eine Allegorie auf die verschiedenen Balkankriege unserer Tage.
Der Krieg bricht für die meisten Menschen unvorbereitet in ihren bescheidenen, aber durchaus lebensfrohen Alltag ein und zerstört kleine Hoffnungen ebenso wie große Sehnsüchte, vor allem aber unschuldiges Leben wie das des Spaniers Torrentes, der erst am Vortag der Hochzeit auf Gema eingetroffen war und nun als erster von den Österreichern exekutiert wird, weil er in der Aufregung die beiden Flüsse seiner Heimatstadt Logrono nicht nennen kann.
"Die Hochzeit des Dichters" ist ein erzählerisches Meisterwerk von praller Sinnlichkeit, das den Leser schnell in seinen Bann zieht.