Alfred Hitchcock ist in erster Linie als Meister des Spannungskinos in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen. Doch wer seine über 50 Filme kennt, der weiß, wie vielschichtig sein Werk ist. Hitchcock war ein ungeheuer experimentierfreudiger und auch humorvoller Regisseur.
Das opulenteste, schönste und wahrscheinlich auch interessanteste Hitchcock-Buch im Jubiläums-Jahr ist streng genommen keine Neuerscheinung, sondern eine Wiederauflage der legendären Interviews, die der französische Regisseur Francois Truffaut in den Jahren '62 und '66 mit Hitchcock geführt und anschließend veröffentlicht hat.
Alfred Hitchcock (1972)
"Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" lautete der einfache wie treffende Titel des Buches, als es 1973 auch in Deutschland herauskam. Für viele ist es bis heute das aufschlussreichste Filmbuch überhaupt. Derartige Superlative sind zwar meist nur eine Spielerei unter Fachleuten, doch kann man die Begeisterung der Cineasten teilen.
Truffaut: Film für Film ausgehorcht
Dem Münchner Kritiker Robert Fischer und dem Diana-Verlag ist es zu verdanken, dass das Buch nun erstmals unter dem schlichten Titel "Truffaut/Hitchcock" in seiner ursprünglich geplanten Fassung vorliegt: mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos und einem ausführlichen Schlussteil, den Truffaut kurz vor seinem Tod noch hinzugefügt hat.
Der französische Regisseur, der zu Beginn der 60er Jahre nach seiner Kritikerlaufbahn bei den "cahiers du cinema" am Anfang seiner Karriere stand, hat Hitchcock damals Film für Film ausgehorcht. Er hat nach dem Verlauf der Dreharbeiten gefragt, nach technischen Details, nach einzelnen Schauspielern. Und natürlich hat Truffaut auch Fragen gestellt über Hitchcocks berühmteste und spektakulärste Szenen.
Eine wahre Fundgrube
Hitchcock gab damals geduldig Auskunft - auch über die berühmte Duschszene aus "Psycho", er war dem jungen Kollegen gegenüber offen und humorvoll. Der Diskurs, mehr ein Zwiegespräch zweier Kinoenthusiasten als klassisches Interview, ist eine wahre Fundgrube für Kino- und Hitchcock-Liebhaber.
Würde man also einem kinointeressierten Durchschnittsleser nur ein Filmbuch für die berühmte einsame Insel empfehlen, dann wäre der Truffaut/Hitchcock-Band eine gute Wahl. Er hat zudem den Vorteil, dass der Leser viele der besprochenen Filme schon einmal gesehen hat. "Der unsichtbare Dritte", "Fenster zum Hof", "Vertigo", "Die Vögel" - wer kennt die zahlreichen Meisterwerke Hitchcocks nicht?!