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Rezensionsbild - Wer schweigt, macht sich schuldig

Ein notwendiges Buch: Das lässt sich sagen von jenem Werk, das Harry Wu, einer der prominentesten chinesischen Bürgerrechtler, vor kurzem unter dem Titel "Wer schweigt, macht sich schuldig" vorgelegt hat und das nun in deutscher Übersetzung erschienen ist. Es ist nicht das erste Buch, das Harry Wu veröffentlicht, wohl aber sein bisher aufrüttelndstes. Es ist eine einzige Anklage. Besonders eindringlich ist eine Stelle, bei der Wu auf die Praxis der öffentlichen Hinrichtungen zu sprechen kommt:

"Deng Xiaoping und seine Helfer wussten genau Bescheid. Da ihnen das internationale Aufsehen missfiel, stellten sie die öffentlichen Hinrichtungen 1984 ein. Doch 1989, nach den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz, begannen die Exekutionen von neuem ... Auch in anderen Ländern sterben Menschen durch Krieg, Revolution, Hungersnot, Rassenhass oder Grenzstreitigkeiten. Aber man zeige mir ein anderes Land der Welt, das öffentlichte Hinrichtungen dieses Maßstabs zulässt."

Unvollendete Mission

Als Harry Wu dies notierte, schrieb man das Jahr 1985. Sein Tagebuch - denn nichts anderes ist der hier vorgelegte Bericht über die Unmenschlichkeit chinesischer Arbeitslager - ist das Werk eines Idealisten, der seiner Überzeugung treu geblieben ist. Harry Wu legt den Finger auf jene Wunden des chinesischen Systems, die im Westen noch immer nicht allumfassend ins Bewusstsein gelangt sind, ja oft geflissentlich übersehen werden. Man hat ihm ehrenvolle Titel gegeben wie "Das Gewissen Chinas" und weniger ehrenvolle wie "Troublemaker".

Von all dem hat sich Harry Wu, der in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, nicht verwirren lassen. Er will provozieren, will anklagen, - gleich ob es dabei um jene Handelsströme geht, bei denen von chinesischen Häftlingen gefertigte Waren im Westen verhökert werden oder um den unmenschlichen Organhandel, der von chinesischen Straflagern ausgeht, wo unzählige Häftlinge eigens deswegen getötet wurden. Das Schlusskapitel, überschrieben mit "Die Zukunft", gibt Aufschluss darüber, dass diese seine Mission noch längst nicht beendet ist.

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