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Energie

Die Welt im Kohle-Comeback?

Kohle gewinnt immer mehr an Bedeutung, glaubt die Internationale Energieagentur. Schuld daran sind Schwellenländer, Schiefergas - und niedrige Rohstoffpreise. Auch Deutschland steht am Pranger.

"Kohle und Gas liefern sich einen Krieg – und Gas ist dabei, diesen Krieg zu verlieren", so charakterisiert Maria van der Hoeven, Leiterin der Internationalen Energieagentur (IEA), den Weltmarkt für Energierohstoffe. Sie nimmt dabei Bezug auf eine Studie, die ihre Behörde jetzt veröffentlicht hat. Darin beschreiben die Autoren eine weltweite Renaissance von Kohle – und stellen auch Deutschland als weltweit größten Verbraucher von Braunkohle an den Pranger.

Kohle ist "einer der klimaschädlichsten Energieträger", erklärt Karsten Smid von Greenpeace Deutschland im Gespräch mit der Deutschen Welle. Bei der Verbrennung von Kohle werden große Mengen giftigen Kohlenstoffdioxids frei. Im Jahr 2011 hat sich nach Angaben der IEA Kohle weltweit als zweitwichtigster Energielieferant nach Erdöl etabliert, 28 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden demnach mittlerweile durch Kohle gedeckt.

Deutschlandkarte mit Markierungen der Bergbaugebiete Rheinisches Revier und Tagebau in der Lausitz.
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DW-Grafik: Peter Steinmetz

In Deutschland wird immer noch Kohle gefördert, vor allem in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

"Der europäische Markt wird mit Kohle überflutet"

Bis 2017, so die Berechnungen der IEA, die seit der Ölkrise in den 1970er Jahren die Interessen der großen Industrienationen vertritt, wird der Kohleverbrauch noch weiter ansteigen - und zwar um rund 500.000 Tonnen pro Jahr.

Der Grund: "Relativ hohe Gaspreise, sowie niedrigere Kohle- und, seien wir mal ehrlich, fast zu vernachlässigende CO2-Preise in Europa", resümiert van der Hoeven im DW-Interview den Energiemarkt. Denn in den USA würden große Mengen relativ günstiges Schiefergas gefördert. Schiefergas sind Gasvorkommen im tiefen Untergrund, die mit neuen Methoden aus dem Boden geholt werden. Gegen das Schiefergas könne die Kohleindustrie in den USA nicht ankommen, so van der Hoeven, deshalb werde die Kohle stattdessen nach Europa geliefert und überflute dort den Markt. "Dort wird also Gas aus dem Markt gedrängt. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was in den USA passiert", erklärt van der Hoeven.

Kohleabbau in Polen
(Photo Sean Gallup/Getty Images)

Polen ist der größte Kohleproduzent in der EU

Gleichzeitig ist der Preis, den die Industrie für jede verursachte Tonne Kohlenstoffdioxid zahlen muss, relativ gering – oder, wie Klima- und Energieexperte Smid es nennt "in der Tonne". "Das wichtigste Klimaschutzinstrument in Europa funktioniert nicht". Europa schaffe es einfach nicht, den Emissionshandel zu stabilisieren. Die Preisentwicklung gibt ihm Recht: Früher hat der CO2-Preis bei 30 Euro die Tonne gelegen, heute hat er etwa sechs bis sieben Euro erreicht. "Deshalb kann sich die Energieindustrie auch erlauben, dreckige Kohle in diesem Maße zu verfeuern", erklärte Smid.

"China ist Kohle"

Außerdem werde der steigende Energiebedarf von großen Schwellenländern, insbesondere China und Indien, mit Kohle gedeckt, so van der Hoeven. "Es ist also sehr wichtig zu bedenken, dass Entscheidungen, die in Peking oder Delhi gefällt werden, wenn es um die Art von Energie oder aber woher sie es beziehen werden, große Auswirkungen auf uns alle haben werden." In dem Bericht der IEA heißt es: "China ist Kohle, Kohle ist China."

Doch das könnte sich bald ändern, glaubt zumindest Smid: "In China wird derzeit alle zwei Stunden ein neues Windkraftwerk gebaut." Bei der Windenergie, aber auch der Photovoltaik, also die Umwandlung von Sonnenkraft in Energie, sei vor allem deutsches Know-how in Massenanfertigungen umgesetzt worden. "Das stimmt mich sehr optimistisch", so Smid.

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks der Vattenfall Europe AG im brandenburgischen Jänschwalde (Landkreis Spree-Neiße), aufgenommen am 05.11.2009 (Illustration zum Thema: Braunkohle kontra erneuerbare Energien). Das Braunkohlekraftwerk ist mit einer installierten Leistung von 3.000 Megawatt nach Firmenangaben das größte seiner Art in Deutschland. Der Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung soll in den kommenden Jahren weiter steigen, um die Emission von Kohlendioxid im Interesse des Klimaschutzes weiter zu verringern. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn +++(c) dpa - Report+++

Experten hoffen, dass Schwellenländer auf Erneuerbare setzen

Renaissance von Nuklearstrom?

Auch IEA-Chefin van der Hoeven glaubt, dass das Gas-Monopol gebrochen werden kann. Und zwar durch eine Kombination von effizienteren und sauberen Technologien in Kohlekraftwerken, ein vermehrtes Setzen auf Gas und erneuerbaren Energien. "Und vergessen wir nicht die Atomenergie." Wobei es bei letzterem natürlich auf die Präferenz der einzelnen Länder ankomme, fügt sie - mit Blick auf den deutschen Atomausstieg - hinzu.

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