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Wirtschaft

Die neue "German Angst" heißt Euro-Krise

Wovor fürchten sich die Deutschen? Eine Studie zeigt: Die Bundesbürger sorgen sich vor allem um die Euro-Schuldenkrise - mehr als um den Verlust des Arbeitsplatzes. Der Wunsch nach wirtschaftlicher Stabilität ist stark.

 Euro-Schein im Papierkorb

Symbolbild Geldschein 500 Fünfhundert Euro Note

Seit 20 Jahren haben sich die Bundesbürger nicht mehr so intensiv vor etwas gefürchtet wie vor der Rechnung, die ihnen möglicherweise durch die hochverschuldeten Euro-Staaten ins Haus flattern könnte. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Langzeitstudie "Die Ängste der Deutschen", die die R+V-Versicherung veröffentlicht hat. Sie ist eine der größten Versicherer Deutschlands für Privat- und Firmenkunden und gehört zur Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Seit 1992 lässt die R+V alljährlich rund 2500 Deutsche ab 14 Jahren von Meinungsforschern befragen.

Fast drei Viertel aller Deutschen sind sich einig: Die Schuldenkrise einiger EU-Mitgliedsstaaten, wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien, sowie die Auswirkungen des Krisenmanagements für den deutschen Steuerzahler bereiten die größten Sorgen. Mit 73 Prozent erreicht diese Angst den zweithöchsten Wert, der jemals in der R+V-Ängste-Studie gemessen wurde (2011: 70 Prozent).

Zudem befürchten 2012 zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent), dass der Euro durch die Schuldenkrise gefährdet ist. Diese Angst ist gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte gestiegen. Es grassiert bei den Deutschen auch die Furcht vor politischem Missmanagement in Brüssel: 60 Prozent aller Befragten sehen die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der Europäischen Union gefährdet.

Die "German Angst" ist wieder da

Da ist sie wieder: die viel zitierte "German Angst", mit der im angelsächsischen Sprachraum gern die charakterisch und kollektiv empfundenen Verhaltensweisen der Deutschen umschrieben werden. Sie macht sich in diesem Jahr an der Euro-Krise fest. "Angesichts dieser Bedrohung treten alle anderen Sorgen in den Hintergrund", so Rita Jakli, Leiterin des Infocenters der R+V Versicherung. Vor allem die persönlichen Befürchtungen, dass beispielsweise die eigenen Kinder drogen- oder alkoholabhängig werden könnten, haben sich abgeschwächt.

Trotz des sinkenden Vertrauens in die wirtschaftliche Entwicklung ist die Angst, den eigenen Job zu verlieren, gegenüber dem Vorjahr bundesweit um vier Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht damit den niedrigsten Wert der Studie – nur 1994 war diese Sorge schon einmal so gering. Durchschnittlich treibt nur noch etwa jeden dritten Deutschen (32 Prozent) die Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes um.

Das sei einerseits auf die aktuell vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von unter sieben Prozent zurückzuführen, so Professor Manfred Schmidt von der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität und Berater des R+V-Infocenters: "Deutschlands Arbeitsmarkt ist insgesamt betrachtet robust – und die Arbeitslosigkeit ist seit einigen Jahren wieder niedriger als im Durchschnitt der westlichen Länder." Dass andererseits fast jeder Dritte Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes hat, zeigt nach Ansicht des Politologen, "dass sich das Risiko, arbeitslos zu werden, nur auf einen Teil der Beschäftigten konzentriert, beispielsweise auf die geringer qualifizierten Arbeitnehmer."

Furcht vor Krieg und Terror am stärksten gesunken

Mit jeweils elf Prozentpunkten sind die Ängste vor Terroranschlägen und einem Krieg mit deutscher Beteiligung der Umfrage zufolge am stärksten gesunken. Die Furcht davor, dass Terroristen ein Attentat verüben, liegt mit 39 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Sie rangiert damit in diesem Jahr nur noch im Mittelfeld aller Ängste.

Die Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 29 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala.

01.2012 DW Wirtschaft kompakt Sendungslogo

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