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Nahost

Die Hisbollah in der arabischen Misstrauensfalle

Führende arabische Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien haben sich vom Vorgehen der Hisbollah-Miliz distanziert. Hinter dieser Haltung stehen Ängste vor einer iranischen Dominanz in der Region.

Syrien und Iran unterstützten die Hisbollah mit Waffen

Der Vorfall ist für innerarabische Verhältnisse symptomatisch und zugleich bemerkenswert: Nach heftigen Wortgefechten hinter verschlossenen Türen einigten sich die Außenminister der Arabischen Liga am Ende ihrer Sondersitzung zur Besprechung der eskalierenden Lage im Nahen Osten Mitte Juli in Kairo auf einen lauen Kompromiss. Sie erklärten den Friedensprozess im Nahen Osten für "gescheitert" und forderten den UN-Sicherheitsrat auf einzugreifen, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu stoppen. In ihrer Resolution werden der Libanon und die Palästinenser vollmundig unterstützt, aber alle Parteien aufgefordert, Aktionen zu unterlassen, die den Frieden und die Stabilität der Region gefährden könnten. Generalsekretär Amr Mussa warnte zudem eindringlich vor einem Flächenbrand, der die ganze Region erfassen könnte.

Scharfe Kritik an der Hisbollah

Ägyptens Präsident Hosni Mubarak

Vor allem Ägypten und Saudi-Arabien – die beiden führenden arabischen Kernstaaten mit überwältigender sunnitischer Mehrheit – haben scharfe Kritik an der Hisbollah (Partei Gottes) geübt. Ohne die Organisation beim Namen zu nennen, wurde in der staatlichen Nachrichtenagentur SPA in Riad vor "unkalkulierten Abenteuern" gewarnt, die den Nahen Osten in eine neue Krise stürzen könnten. Es sei an der Zeit, dass "diese Elemente allein die volle Verantwortung für dieses unverantwortliche Verhalten" übernehmen.

Neben dem Iran als ihr Hauptverbündeter unterstützt lediglich Syrien als einziges arabisches Land die schiitische Hisbollah-Miliz, obwohl das Damaszener Regime arabisch-nationalistisch und vor allem säkular orientiert ist. Syrien ist aus rein opportunen Gründen mit dem Teheraner Regime seit langem eng liiert.

Schiitischer Halbmond?

Auch wenn nationale Eigeninteressen in der Regel schwerer als arabische Solidarität wiegen; hinter dieser bemerkenswerten Haltung der großen sunnitischen Staaten stehen arabische Ängste vor iranischer Vorherrschaft in der strategisch wichtigen Region. Denn der Iran ist der politische Hauptgewinner des IraK-Krieges 2003: Die USA beseitigte seinen Hauptfeind: Das Saddam-Regime. Und durch seinen Einfluss auf schiitische Parteien ist der Iran schon heute ein fester Bestandteil der politischen Elite im Post-Saddam-Irak.

Der jordanische König Abdullah warnt vor einem "schiitischen Halbmond"

Der jordanische König Abdullah hatte die Besorgnis über die kommende Vormacht am offensten ausgedrückt. Vor einem Jahr warnte er vor einem "imperialen Iran" und einem "schiitischen Halbmond", der vom Iran über den Irak in den Libanon reiche. Besorgt äußerte sich damals auch der saudi-arabische Außenminister Suad al Faisal über die wachsende Einmischung des Iran im Irak: Das Land versorge schiitische Gruppen mit Geld und Waffen, und forderte die schiitische Mehrheit auf, den Sunniten die Hand zu reichen und ihnen den Status "gleicher Bürger" zuzugestehen.

Kein arabisches Gegengewicht

Der behäbig wirkende, aber stets rational agierende ägyptische Präsident Hosni Mubarak legte in einem langen Interview mit dem arabischen Satellitensender Al-Arabiya im April 2006 diesbezüglich nach: "Zweifellos übt der Iran Einfluss auf die Schiiten aus - 65 Prozent der irakischen Bevölkerung sind Schiiten. In allen Ländern der Region gibt es einen hohen Anteil von Schiiten. Und die Schiiten standen dem Iran schon immer loyal gegenüber. Die meisten von ihnen stehen eher dem Iran loyal gegenüber und nicht den Ländern, in denen sie leben."

Hinzu kommt, dass man über die atomaren Ambitionen des Iran besorgt ist. Die nuklearen Fortschritte Irans sind für die Sicherheit der überwiegend sunnitischen arabischen Welt umso bedrohlicher, als es den Irak als Pufferstaat und als Gegengewicht zum Iran nicht mehr gibt. Auch im Falle einer unkontrollierbaren Eskalation im Atomstreit schließen viele arabische Beobachter nicht aus, dass der Iran, um seine dominierende Rolle zu betonen, seine Waffen gegen die arabischen Nachbarstaaten einsetzen würde.

Gefährlicher als die Verbal-Eskapaden des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschads, der inzwischen zu Europas Lieblingsfeind avancierte, dürfte mittelfristig die Tatsache sein, dass er in seinem Bemühen um Meinungsführerschaft in der islamischen Welt auf große Resonanz in der arabischer Bevölkerung stoßen und somit die Verbreitung des radikal-islamitischen Fundamentalismus voran treiben kann. Der derzeitige faktische Hirntod der Arabischen Liga dürfte ihm dabei hilfreich sein.

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