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Städtereisen

Deutschland schmecken und verstehen

Kulinarische Stadtführungen sind wohl die kalorienreichste Art, eine Stadt zu entdecken. Unterwegs entlohnen köstliche Häppchen, serviert mit Anekdoten und Wissenswertem. Deutsche Lebensart für Genießer.

Was isst man in einer Stadt und was sagt die Esskultur über ihre Bewohner aus? Eine Frage, die sich Elke Freimuth, die Gründerin von "Eat the world", immer wieder bei längeren Auslandsaufenthalten stellte. Als sie schließlich in New York an einer kulinarischen Stadttour teilnahm, ließ sie diese Idee nicht mehr los.

2008 hängte die junge Berlinerin ihren Lehrerberuf an den Nagel und importierte die Idee nach Deutschland: zunächst nach Berlin, später nach Dresden, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Münster. "Ich esse selbst total gerne und wenn ich in einer fremden Stadt bin, will ich immer sofort wissen, wo man gut essen kann", sagt Elke Freimuth.

Von Gorgonzala-Eis bis Rosengebäck

Drei Frauen schlemmen bei der 'Eat the world' Tour in Köln (Foto: DW)

Drei Damen auf Schlemmertour in der Kölner Südstadt

Es ist Samstag, und eine Gruppe von Wiss- und Essbegierigen hat sich zu einer Tour durch die Kölner Südstadt zusammengefunden. "Dieser Stadtteil steht für einen alternativen Lebensstil", erklärt Tourguide Andreas Kringe.

Über 100 Nationalitäten leben in Köln und die Bewohner sind stolz darauf. Ihr Selbstverständnis als multikulturelle und weltoffene Stadt bringt auch eine vielfältige Esskultur hervor. Und so lernen die Gäste in den folgenden drei Stunden eine Auswahl heimischer und "zugezogener" Spezialitäten kennen.

Eine bedeutende Einwanderergruppe bilden in der Kölner Südstadt neben den Türken die Italiener, so wie Flavia Turzi. Mit einem herzlichen "Buongiorno" begrüßt sie die Gäste in ihrem Eiscafé und erzählt, wie ihre Abenteuerlust sie von Mailand nach Köln führte, wo sie erst kürzlich ihr Café eröffnet hat. Die Abenteuerlust spiegelt sich auch in Flavia Turzis Produktpalette wider: Sie reicht von Gorgonzola-Eis bis Rosengebäck.

Einfach etwas besonderes

"Wir wählen nur Restaurants aus, die etwas Besonderes machen", erzählt Andreas Kringe. Häufig stehen die Besitzer selbst am Herd oder hinter der Theke. Dabei wird immer auf Qualität und Tradition geachtet. "Ich möchte authentische Restaurants und kleine Manufakturen unterstützen. Gerade die Familienbetriebe werden immer stärker von Ketten verdrängt. Und damit geht ein Stück Kultur verloren", sagt Elke Freimuth.

Auch die Tourguides wählt die Gründerin sorgfältig aus. Sie sollen möglichst selbst in dem Stadtteil leben, durch den sie ihre Gäste führen. Nur so könnten die Stadtführer glaubhaft über die Geschichte und das Leben dort erzählen. "Die Gäste sollen das Gefühl haben, ein Freund zeige ihnen seine Stadt", sagt Elke Freimuth. Wer sich spontan dazu entscheidet, kann übrigens bis eine Stunde vor Tourbeginn buchen.

Die ausgetretenen Touristenpfade lässt Andreas Kringe links liegen und bringt seine Gäste noch zu einem französischen Spezialitätenladen, einem vegetarischen Restaurant, einer Salatbar und zu einem Café im 50er-Jahre-Stil. Jeder Ort hat seinen ganz eigenen Charme und seine eigenen Spezialitäten.

Voll im Trend

Rosenplätzchen in der Eis- und Knuspermanufaktur Géa in Köln (Foto: DW)

Rosenplätzchen in der Eis- und Knuspermanufaktur Géa in Köln

Dass das Konzept der kulinarischen Stadtführungen in Deutschland gefragt ist, beweist nicht nur die steigende Zahl weiterer Anbieter. Claudia Muir vom Koch-Magazin "Essen & Trinken" bestätigt: "Gerade junge Leute interessieren sich für solche Angebote. Sie wollen abseits vom Mainstream ihre eigenen Entdeckungen machen." Auf Internetportalen wie "eat like locals" suchen sie gezielt nach Geheimtipps oder geben selbst welche ab. "Berlin ist in dieser Hinsicht übrigens der absolute Trendsetter", fügt Claudia Muir hinzu.

In Köln stößt die "Eat-the-world"- Tour inzwischen sogar bei Einheimischen auf Interesse. So buchen immer wieder auch Kölner die kulinarischen Führungen, weil sie hoffen, mehr über ihr eigenes Viertel zu erfahren. Da sich immer mehr Besucher aus dem Ausland anmelden, werden ab April 2013 in allen sechs Städten Touren in englischer Sprache angeboten. Tickets für eine kulinarisch-kulturelle Stadtführung kosten 30 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder bis zwölf Jahre.