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Justiz

Deutschland liebt die Polizei

"Kommt ein Polizist zum Arzt...": Die Deutschen machen sich über die Männer in Grün gern lustig. Trotzdem haben sie Vertrauen in die rund 250.000 Beamten, mehr als in jede andere Institution - sagt eine neue Studie.

Zwei Beamte der Bundespolizei, von denen einer eine Maschinenpistole in den Haenden haelt (r.), patroullieren am Mittwoch (17.11.10) auf dem Flughafen Leipzig/Halle in der Naehe von Schkeuditz. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) hat wegen der neuen terroristischen Bedrohungslage in Deutschland eine sichtbare Polizeipraesenz angekuendigt. Diese mit den Laendern abgestimmten verschaerften Sicherheitsmassnahmen an Flughaefen und Bahnhoefen sollten bis auf weiteres gelten, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin. (zu dapd-Text) Foto: Jens Schlueter/dapd

Bundespolizei - Polizei

Wachtmeister-Witze, Spott-Lieder und handfeste Kritik: Geht man nach Volksmund und Medienecho, hat die Polizei in Deutschland einen eher zweifelhaften Ruf. Vor allem nach Demonstrationen wie etwa zum Bahnprojekt "Stuttgart 21" häufen sich die Vorwürfe, wonach die Polizei zu rigoros eingreifen würde. Einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge hat das Bild der Polizei darunter jedoch kaum gelitten.

Denn gemäß den Zahlen des Global Trust Reports 2013 ("Globaler Vertrauensbericht") genießt keine Institution in der Bundesrepublik höheres Ansehen. 81 Prozent der Befragten gaben an, der Polizei zu vertrauen. Zum Vergleich: Banken und Versicherungen kamen lediglich auf 29 Prozent.

Typisch deutsch

Keiner Institution wird mehr vertraut

Keiner Institution wird mehr vertraut

Das Phänomen könnte man als typisch deutsch bezeichnen, denn in anderen Ländern sehen diese Werte anders aus. Weltweit steht bei den Branchen die Unterhaltungselektronik an erster Stelle, bei den Organisationen ist es das Militär beziehungsweise die Armee. "Und in Deutschland sind es die Handwerker und die Polizei, die am meisten Vertrauen genießen", erklärt GfK-Geschäftsführer Raimund Wildner im Gespräch mit der Deutschen Welle. Insgesamt hat die GfK über 28.000 Menschen in 25 Ländern befragt. Auf den Fragebögen mussten zwölf Institutionen sowie elf Branchen bewertet werden.

Die Gründe für den guten Ruf sieht Polizei-Gewerkschaftschef Bernhard Witthaut vor allem in der Unbestechlichkeit, besonders im Vergleich zu anderen Ländern: "Ich glaube, dass die Polizei in Europa generell ein sehr gutes Ansehen genießt, aber es gibt natürlich auch - gerade in den osteuropäischen Ländern - viele Vorwürfe und Vorbehalte. Korruption, Bestechlichkeit - all das spielt eine große Rolle."

Wenig Korruption

Positives Bild trotz Kritik Foto: Peter Steffen dpa/lni (zu lni 0393 vom 20.07.2010) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Positives Bild trotz Kritik

Das bestätigt auch Wildner. "Wir haben das Vertrauen in die Polizei in Verbindung gesetzt zu dem allgemeinen Korruptionsniveau der entsprechenden Länder, das von Transparency International berechnet und ausgewiesen wird", sagt er. Die Streuung steht demnach in einem engen Zusammenhang mit dem Korruptionsindex des jeweiligen Landes.

Ähnlich gut wie die deutschen Polizisten schneiden auch die Kollegen in Schweden, Kanada und Australien ab. In den USA und Großbritannien sind die Vertrauensquoten mit je 80 Prozent ebenfalls hoch. "Auf der anderen Seite liegen Länder wie Italien, Polen und Russland mit 55 bis 58 Prozent deutlich darunter", sagt Wildner. Am schlechtesten schnitt die Polizei mit 11 Prozent im westafrikanischen Nigeria ab. In Argentinien brachte sie es lediglich auf 28 Prozent, in Indonesien auf 34 Prozent.

Transparenz sorgt für Vertrauen

 Gute Aufklärungsquote bei Verbrechen, Foto: Fabian Bimmer dpa/lno (zu dpa-Gespräch Vahldieck: Polizei-Reiterstaffel kommt in Hamburg gut an vom 14.12.2010) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Gute Aufklärungsquote bei Verbrechen

Für Polizei-Gewerkschaftschef Witthaut spielt neben der Korruption auch der Umgang mit eigenen Fehlern eine große Rolle. So gingen erst vor wenigen Tagen Bilder um die Welt, auf denen eine Frau mit schweren Blutergüssen im Gesicht zu sehen war. Die 22-jährige Münchnerin soll auf einer Polizeiwache geschlagen worden sein. Ob die Polizei in Notwehr handelte, ist noch nicht geklärt. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International registriert in ihrer Studie "Täter unbekannt" immer wieder Misshandlungen.

"Wir versuchen, solche Fälle so zu behandeln, dass sie dann im Nachhinein mindestens einer parlamentarischen Kontrolle unterliegen", sagt Witthaut. Wichtig sei, die Kritik aufzunehmen und aufzuklären. Auch für Forscher Wildner ist dieses Vorgehen eines der wichtigsten Instrumente, um Vertrauen aufrecht zu erhalten. "Es kommt immer darauf an, wie man mit diesen Ereignissen umgeht. Wenn man akzeptiert, dass solche Ereignisse vorkommen, aber dann eben dagegen vorgeht, dann muss man sagen, dass die Organisation insgesamt richtig handelt." Vertuschungsversuche könnten das Vertrauen dagegen schwer erschüttern, wie etwa auch die Missbrauchsskandale bei der katholischen Kirche gezeigt hätten.  

Witzige Polizei statt Polizistenwitze

Kontrolle wichtig: Polizeigewerkschafts-Chef Bernhard WitthautFoto: Hannibal dpa/lbn

"Kontrolle wichtig": Polizeigewerkschafts-Chef Bernhard Witthaut

Weitere Bedingungen für Vertrauen seien Kompetenz, Selbstkontrolle und Humor, glaubt Witthaut. So wurden bei der Hamburger Polizei Tweets, also digitale Kurznachrichten, über witzige Einsätze verbreitet. "Ein bisschen Humor hilft in vielen Situationen, Eskalationen zu verhindern", sagt er. Eine lockere Kommunikation ist auch in anderen Ländern mittlerweile üblich. Die Osloer Polizei wurde dafür jüngst sogar bei den "Social Media Days" ausgezeichnet.

Der deutsche Slogan "Die Polizei - Dein Freund und Helfer" scheint also immer noch Zustimmung zu finden. Albert Grzesinki, damals preußischer Innenminister, soll ihn 1926 für das Vorwort einer Polizeiausstellung erfunden haben. Eingebrannt in das Gedächtnis der Deutschen sind die Worte aber offenbar bis heute.

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