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Konjunktur

Deutschland ist ein Top-Standort

Viele Ökonomen befürchten, Deutschland könne sich dem Sog der Krise nicht entziehen. Ausländische Investoren sehen das anders: Sie stufen Deutschlands als Top-Standort in Europa ein.

Symbolbild Deutschland unter der Lupe © Gina Sanders - Fotolia.com

Deutschland auf einem Globus durch die Lupe betrachtet

Deutschlands Hauptkonkurrenten seien nicht mehr die anderen europäischen Staaten, sondern die USA und China. So bewertet die Unternehmensberatung "Ernst&Young" die Ergebnisse ihrer neuen, jährlich stattfindenden Umfrage zu den attraktivsten Investitionsstandorten der Welt. "Deutschland spielt in der internationalen Champions League und ist in Europa der Fels in der Brandung", sagte Peter Englisch von "Ernst&Young" am Freitag (22.06.2012) in Berlin.

Die Befragung wurde in 840 Unternehmern weltweit durchgeführt, sowohl bei Mittelständlern als auch bei Global Playern mit mehr als 1,5 Milliarden Jahresumsatz, erklärte Englisch, so dass sich ein möglichst repräsentatives Bild ergebe. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland nun auf dem sechsten Platz. China, Indien und die USA führen das Ranking an, gefolgt von Russland und Brasilien. Zwar sei Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz nach hinten gerückt, weil es von Russland überholt wurde. "Immerhin konnte Deutschland aber das Level halten im Kampf mit den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China", betonte Englisch, "nicht wie die anderen westeuropäischen Staaten, die abrutschen".

Vor Frankreich und Großbritannien

Gefragt wurde auch nach den mittelfristigen Perspektiven, also welche Länder in Europa in den nächsten drei Jahren am attraktivsten für Investitionen seien. Hier führt Deutschland deutlich vor Frankreich und Großbritannien. Zwei Hauptfaktoren nannten die Manager für ihren sehr positiven Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Erstens sei das der gut funktionierende Binnenmarkt - Investoren gingen nun einmal dorthin, wo sie auch etwas verkaufen können. Fast genauso wichtig sei aber auch ein stabiles politisches und soziales Umfeld im Land. Sein ohnehin schon positives Image in dieser Frage hätte Deutschland durch seine finanzpolitische Haltung in der Eurokrise sogar noch verbessern können, so Englisch. Investoren schauten nicht nur danach, wo sie am wenigsten Steuern zahlen müssen, versuchte Englisch mit einem Klischee aufzuräumen.

Hauptinvestor USA

"Ernst&Young" hat sich auch die tatsächlichen Investitionen angeschaut. Konkret wurden in Deutschland 2011 von ausländischen Firmen 17.276 Arbeitsplätze geschaffen - Personalaufstockungen bei bereits bestehenden Investitionsprojekten wurden nicht dazu gezählt. Die Gesamtzahl der Investitionsprojekte aus dem Ausland betrug 597 - die meisten Investoren kommen inzwischen aus China. Beliebte Branchen waren Auto- und Transportindustrie, Kommunikations- und IT-Technologie sowie die Zukunftsbranchen Energie- und Umwelttechnologien.

Damit liegt Deutschland wie zuvor hinter Großbritannien - sowohl bei den Investitionsprojekten als auch den Arbeitsplätzen. Großbritannien profitiere einerseits von günstigen Steuerbedingungen und andererseits von der englischen Sprache, da die USA mit 26 Prozent weiterhin größter Investor in Europa sind.

Folgen der Euro-Krise

Da Deutschland europaweit der zweitwichtigste Investor ist, hänge die Zukunft der deutschen Exportwirtschaft stark vom Ausgang der europäischen Schuldenkrise ab, betonte Englisch. Der ins Strudeln geratene Euro sei für die Mehrheit der Befragten weiterhin eine entscheidende Stärke Europas. Vor allem aber Deutschland brauche den Euro.

Sorgen bereite auch das zunehmende Nord-Süd-Gefälle in Europa, weil es Stabilität gefährdend sei. Doch anders als die US-Rating-Agenturen gegenwärtig vermitteln, sei Westeuropa für Investoren weiterhin eine Top-Region. Denn letztlich zählten Fundamental-Daten wie das Konsum-Potential stärker als Finanz-Daten. Westeuropa liegt der Umfrage von "Ernst&Young" zufolge hinter China auf Rang zwei, wobei der Abstand zu China weiter gewachsen ist. Es folgen die Regionen Mittel-Osteuropa, Nordamerika und Indien - wobei alle drei Einbußen hinnehmen mussten, denn auch bei diesem Ranking haben die BRIC-Staaten Russland (Platz 6) und Brasilien (Platz 7) zugelegt.

Hausaufgaben

Dass die gegenwärtige Euro-Krise für Europa gut ausgeht, glauben 81 Prozent der Befragten - auf Deutschland bezogen meinen das sogar neun von zehn Investoren. Das starke Bekenntnis zum Standort Deutschland zeigt sich auch bei der Frage, ob die Unternehmen voraussichtlich noch in zehn Jahren vor Ort sein werden. 84 Prozent bejahen dies.

Dennoch muss manches noch besser werden - auch in Deutschland. Deshalb hat "Ernst&Young" gefragt, auf welchen Gebieten erhöhter Reformbedarf besteht. Mehr als die Hälfte der Manager fordert eine bessere Ausbildung im Bereich neuer Technologien, ein Drittel wünscht sich mehr steuerliche Anreize für innovationsstarke Unternehmen.

01.2012 DW Wirtschaft kompakt Sendungslogo

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