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Konjunktur

Deutsche Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

Alles halb so schlimm? Trotz Krise konnte die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Jahr ein Wachstum verbuchen. Wichtigster Motor war einmal mehr der Export. Die starken Boomjahre sind aber vorerst vorbei.

Rückblicke wurden geschrieben, die Bilder des Jahres mehrfach gesendet - 2012 wurde gebührend verabschiedet. Menschen, Medien und Märkte blicken nun hoffnungsvoll nach vorne und scheinen das alte Jahr schon vergessen zu haben. Und dennoch: Die Statistiker haben uns noch etwas mitzuteilen. Es sind gute Nachrichten: "Im Jahr 2012 erwies sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig und trotzte der europäischen Rezession." So sagte es Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, am Dienstag (15.01.2012) auf einer Pressekonferenz zum Bruttoinlandsprodukt 2012 in Wiesbaden.

Im abgelaufenen Jahr ist die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent gegenüber 2011 gestiegen. Zugegeben: Es ist nur ein kleines Plus, doch es hätte schlimmer kommen können. Viele europäische Länder sind bereits in eine Rezession gerutscht, Politiker zittern vor der Krise, Menschen fürchten um ihre Jobs. Deutschland hingegen zeigt sich robust und trotzt der Krise. Noch.

Glas halb voll

"Das Plus von 0,7 Prozent ist im Vergleich zum Vorjahr, wo wir 3 Prozent Wachstum hatten, sicherlich eine Abschwächung. Aber ich glaube dennoch, dass die deutsche Wirtschaft gut abgeschnitten hat", sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt der UniCredit Group in Deutschland im DW-Interview. "Man darf nicht vergessen, dass das Umfeld im vergangenen Jahr insbesondere durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Krise in der Eurozone sehr schwierig war."

Steffen Henzel vom ifo-Institut in München. (Foto: ifo-Institut)

Steffen Henzel vom ifo-Institut in München

Auch für Steffen Henzel vom ifo-Forschungsinstitut in München hat sich die deutsche Wirtschaft 2012 gut behauptet: "Angesichts der Rahmenbedingungen würde ich die Zahlen positiv bewerten." Man sei stark in das Jahr 2012 gestartet, das vierte Quartal sei aber schwach gewesen: "Die Verunsicherung stieg, Investitionen blieben aus. Es war eine Delle, die wir in Kauf nehmen mussten. Ich denke aber, dass uns in diesem Jahr eine positive Entwicklung erwartet."

Die Gründe für das Wachstum

Deutschland exportierte im Jahr 2012 insgesamt 4,1 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die Importe um 2,3 Prozent. Die Differenz zwischen Exporten und Importen, also der Außenbeitrag, steuerte 1,1 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum 2012 bei und war damit einmal mehr wichtigster Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. "Die deutschen Unternehmen haben es geschafft, Exportmärkte außerhalb der EU zu erschließen - gerade in den stark wachsenden, dynamischen Schwellenländern in Asien", sagt Andreas Rees. Doch das vergangene Jahr sei nicht nur eine Export-Erfolgsgeschichte gewesen, auch die privaten Haushalte hätten ihren Beitrag zum Wachstum geleistet: "Die Löhne sind gestiegen, der Arbeitsmark blieb stabil. Die Beschäftigung hat sogar um rund 100.000 Menschen zugelegt und das ist ein Plus, das die privaten Haushalte 2012 gestützt hat", so Rees. So wurde im Inland auch mehr konsumiert - trotz Preissteigerung für Energie etwa: Die privaten Konsumausgaben verzeichneten ein Plus von 0,8 Prozent, die staatlichen sogar eines von 1,0 Prozent.

Mehr Geld in den öffentlichen Kassen

Deutsche Wirtschaft leidet unter Euro-Krise

Die öffentlichen Haushalte waren im Jahr 2012 weiter auf Konsolidierungskurs: Der Staatssektor - dazu gehören Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen - beendete das Jahr nach noch vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsüberschuss in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Dabei reduzierte der Bund sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich, während die Gemeinden und vor allem die Sozialversicherungen wie schon im Jahr 2011 einen kräftigen Überschuss erwirtschafteten. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt errechnet sich daraus für den Staat eine Überschussquote von 0,1 Prozent. Damit kann Deutschland für 2012 erstmals seit 2007 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen.

Blick in die Glaskugel

Andreas Rees von der UniCredit Group Deutschland

Andreas Rees von der UniCredit Group Deutschland

Die Statistiker haben ihre Aufgaben gemacht, die Zahlen liegen auf dem Tisch. Nun sind die Konjunktur-Vorhersager gefragt. Insgesamt sehe es nicht so schlecht aus für dieses Jahr, meint Rees: "Die Finanzmärkte erholen sich. Ein vermeidliches Auseinanderbrechen der Eurozone wird ausgeschlossen - auch aufgrund der Unterstützung der Europäischen Zentralbank und der Politik", sagt Rees. "Ich glaube nicht, dass wir auf einer Insel der Glückseligen leben, das Wachstum hat sich deutlich verlangsamt, aber die Zeichen für 2013 stehen auf moderates Wachstum", so Rees. Auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Group, blickt im DW-Interview zuversichtlich nach vorne: "Die jüngsten Indikatoren zeigen eine Besserung der Stimmung in der Wirtschaft, auch in der Industrie, wo sich die Auftragseingänge stabilisiert haben. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist moderat, also die Aussichten für 2013 sind nicht so schlecht."

Die Bundesregierung erwartet einem Medienbericht zufolge in diesem Jahr für die deutsche Wirtschaft nur ein mäßiges Wachstum von durchschnittlich 0,5 Prozent. Dabei geht die Regierung nach einem schwachen Start von einem wesentlich schnelleren Wachstum in der zweiten Jahreshälfte aus, berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf den Jahreswirtschaftsbericht, der am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2013 rund 1,25 Prozentpunkte höher ausfallen als im vierten Quartal 2012. Auf dem Arbeitsmarkt sieht die Bundesregierung für 2013 kaum Bewegung.

2013 - für China das Jahr der Schlange, für die Vereinten Nationen das Jahr des Wassers, für die Katholische Kirche das Jahr des Glaubens, für die Europäische Union das Jahr der Bürgerinnen und Bürger. Und für die deutsche Wirtschaft - das nächste Jahr des konjunkturellen Glücks?

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