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USA

Deutsche Hausmannskost - made in USA

Mimi Sheratons "German Cookbook" ist Amerikas Klassiker der deutschen Küche. Nach 50 Jahren geht es immer noch über den Ladentisch. Veganer Trend hin oder her - junge New Yorker lieben deftigen deutschen Sauerbraten.

"Es gibt kein vergleichbares Essen zu Deutscher Küche." Karen Popp ist von Jägerschnitzel, Tartar und Currywurst mehr als begeistert. Und damit ist die junge Amerikanerin nicht die Einzige. Im deutschen Restaurant "Blaue Gans" im New Yorker Stadtteil Tribeca sind alle Bierbänke besetzt. Deutsche Küche ist wieder beliebt in den USA. Und das war nicht immer so. In den 70er und 80er Jahren verschwanden viele deutsche Restaurants von der Bildfläche. Heute gibt es ein richtiges Comeback. Seit ungefähr fünf Jahren eröffnen viele deutsche Lokale wieder, sagt Daniel Möhler, Manager der "Blauen Gans". Fünf Restaurants gehören zu der Kette "Kurt Gutenbrunner", auch die "Blaue Gans". Alle laufen richtig gut. Besonders die Amerikaner der zweiten und dritten Generation deutscher Herkunft fühlen sich dem deutschen Essen wieder verbunden. "Die Jugendlichen wollen wissen, wie ihre Großeltern ihr Essen zubereitet haben", erklärt Mimi Sheraton. Die Autorin des Bestsellers "The German Cookbook" muss es wissen. Das Buch der in Brooklyn geborenen Sheraton ist noch nach 50 Jahren das amerikanische Standardwerk für deutsche Küche.

Mimi Sheraton in ihrer Küche.(Foto: Rebecca Wetzel, DW)

Mimi Sheraton, Kochbuchautorin

Comeback der deutschen Küche

"Ich liebe Rheinischen Sauerbraten." Sheraton spricht ihr Lieblingsgericht Rainische Sauorbroaden aus. Die elegante, Mitte 80-jährige Autorin ist schon seit ihrer Kindheit von deutschen Delikatessen angetan. Noch heute spricht sie begeistert von ihrem ersten Besuch in Manhattan Ende der vierziger Jahre. Damals existierte noch ein aktives deutsches Zentrum im New Yorker Stadtteil Yorkville. Und dort gab es natürlich jede Menge deutsche Restaurants: Lüchow‘s, Jägerhaus, Café Geiger, um nur einige zu nennen. Sheraton machte es damals große Freude dort einzukaufen. "Es gab wundervolle Märkte wie das Bremenhaus", schwärmt sie noch heute, "oder Wursthersteller. Geblieben sind davon nur das Schaller und Weber".

The German Cookbook

Ende der sechziger Jahre zogen viele Deutsche aus Yorkville in die Vororte. Damit verschwanden auch die deutschen Restaurants und Läden aus der Innenstadt. Die deutsche Küche war bei den Amerikanern inzwischen auch alles andere als angesagt. Die New Yorker verbanden sie mit fettigem Schweinefleisch und Knödeln. Schweres Essen entsprach bis Ende der achtziger Jahre keinesfalls dem Essenstrend. Heute boomt vegetarisches und veganes Essen bei jungen New Yorkern. Und doch findet auch die fleischlastige deutsche Küche wieder mehr Zuspruch, gerade bei Jüngeren. Ein Gegentrend, der Mimi Sheraton freut. Da ihr Kochbuch in englischer Sprache geschrieben ist, müssten die jungen Leute ja auch nicht immer ins Restaurant, meint die ältere Dame, sie könnten die Gerichte einfach nachkochen. Und das tun sie auch: Jährlich geht "The German Cookbook" 3.000 Mal über den Ladentisch.

Kreativ statt klassisch

Die reiselustige Dame war für ihre Kochbuchrecherchen fast zwanzig Mal in Deutschland. Ihr selber fiel es dabei nicht schwer, die fremde Sprache zu verstehen. Die Autorin stammt aus einem aschkenasisch-jüdischen Elternhaus, also einer jüdischen Familie, die in Mittel- und Osteuropa zu Hause war, bevor sie in die USA emigrierte. Mimi Sheraton ist in den USA geboren, aber sie spricht jiddisch und das ist dem Deutschen recht ähnlich. Weshalb sie auf die Idee kam, ein deutsches Kochbuch zu schreiben? In Sheratons Kindheit hatte ihre Familie eine deutsche Haushälterin. Diese habe oft für sie gekocht. Außerdem, sagt die Autorin, sei die aschkenasisch-jüdische Küche der deutsche sehr ähnlich. Die Gerüche der Speisen aus ihrem Kochbuch versetzten sie zurück in ihre eigene Kindheit.

Mimi Sheratons Buch: The German Cookbook. Random House 1965.

"The German Cookbook" - Ein Klassiker

Die kochbegeisterte Amerikanerin hat dennoch nie beabsichtigt, ihr Hobby zum Beruf zu machen. "Ich hätte nie professionell in einem Restaurant kochen können. Insbesondere das Backen lag mir nicht. Dazu braucht man Disziplin und Genauigkeit." Die eher kreative Köchin schmeißt lieber alle Zutaten nach eigenen Ideen in einen Topf. Vielleicht ist ihr Kochbuch gerade wegen dieser persönlichen Tipps so beliebt. Sheratons eigenes Lieblingsrezept aus dem Bestseller ist natürlich typisch Deutsch: "In Bier, statt in Wein, marinierter Sauerbraten."

Wenn die geschmackvolle Dame zurückblickt, liegt hinter ihr eine erfolgreiche Karriere als Journalistin, Autorin und Restaurantkritikerin. Sieben Jahre lang hat sie für die New York Times bis zu vier Lokale täglich besucht. "Ich bin die geborene Kritikerin. Ich liebe es, anderen zu sagen, was sie richtig und falsch machen." Sheraton schmunzelt. Bei der Frage, ob der amerikanische Trend zur deutschen Küche nur ein vorübergehender ist, muss jedoch auch die schlagfertige Autorin kurz innehalten. Sie blättert in ihrem Kochbuch: Hähnchen, Ente oder Gänseschmalz – vielen Amerikanern ist das zu fettig. Während die jungen Besucher der "Blauen Gans" von Bier, Schweinebraten und Sauerkraut schwärmen, verbinden andere Amerikaner deutsche Spezialitäten noch immer mit schwerem Essen. Ein Image, mit dem die deutsche Küche weiterhin zu kämpfen hat.

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