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Aussenwirtschaft

Deutsche Firmen optimistisch für US-Geschäft

US-Präsident Obama lobt deutsche Investitionen in seinem Land. Deutsche Unternehmen ihrerseits loben den Standort USA und wollen im kommen Jahr weiter investieren. Denn es winken wieder gute Geschäfte.

Während in der Heimat die Euro-Krise wütet, bleiben die USA für deutsche Firmen ein beliebter Investionsstandort: Trotz des anhaltenden US-Budgetstreits rechnen sie mit besseren Geschäften in Amerika. Einer Umfrage zufolge gehen fast alle Firmen von Umsatzsteigerungen im kommenden Jahr aus. Zwei Drittel wollen deswegen neue Jobs schaffen.

Gebrochenes Englisch ist Weltsprache

Optimismus in Midtown Manhattan. Im Gebäude des Nachrichtensenders Bloomberg haben sich rund 100 deutsch-amerikanische Geschäftsleute zusammengefunden. Die Stimmung ist ausgelassen. Martin Richenhagen, deutscher Geschäftsführer des US-Landmaschinenkonzerns AGCO fragt Linda Mayer, die US-Chefin des Glasherstellers Schott, wie es sei als Amerikanerin für eine deutsche Firma zu arbeiten. "Meinst du jetzt, außer der Sprache?", fragt Mayer. "Alle hier Anwesenden sprechen doch die eigentliche Weltsprache: Gebrochenes Englisch", erwidert Richenhagen.

Weit entfernt vom krisengeplagten Europa haben gut zwei Drittel der deutschen Unternehmen mit Tochterfirmen in den USA 2012 mehr umgesetzt als im Vorjahr. Mehr als 90 Prozent der 230 befragten deutschen Firmen sind noch optimistischer für 2013. "Im globalen Vergleich sind wir sehr gut positioniert", sagt Walter Maisel, Präsident von Kostal Nordamerica. Klar, die Infrastruktur in den USA sei problematisch, aber da könne man ausbessern und immerhin beginne in den USA gerade ein Energieboom. "In 20 Jahren haben wir Energieunabhängigkeit erreicht", sagt Maisel. "Die USA sind ein exzellenter Standort."

US-Industriebetrieb Marlin Steel in Baltimore (Foto: DW)

Die US-Industrie wird dank sinkender Energiepreise wieder wettbewerbsfähiger

Vom Comeback der US-Autoindustrie profitiert

Das deutsche Familienunternehmen Kostal sitzt in Michigan und produziert Elektronik. Hauptsächlich für die US-Autoindustrie. Die feierte 2012 ihr Comeback, wovon viele deutsche Zulieferer profitiert haben. Beispielsweise auch Tognum America, Hersteller von Dieselmotoren sowie Antriebs- und Energiesystemen.

Ein Wermutstropfen für deutsche Mittelständler: Fachkräfte für die komplexen Produktionen sind auch in den USA schwer zu bekommen. Ein Ausbildungssystem mit Berufsschule und Lehre wie in Deutschland gibt es nicht. "Wir sehen immer, dass nach der High School Unternehmen und Gemeinden versuchen, junge Amerikaner als Alternative zum College auszubilden. Aber das ist viel zu spät", sagt Jörg Klisch, Vizepräsident bei Tognum USA. Man müsse damit schon während der Schulzeit anfangen.

Eingeladen ins Weiße Haus

Gesagt, getan - viele deutsche Unternehmen in den USA steuern mit eigenen Ausbildungsprogrammen gegen den Mangel qualifizierter Mitarbeiter. Tognum erregte mit der früh ansetzenden Förderung sogar das Interesse des US-Präsidenten. "Wir suchen unsere Leute in der 11. Jahrgangsstufe schon aus", sagt Klisch. "Das war so interessant für das Weiße Haus, dass man uns eingeladen hat, das Programm zu erklären."

Die jungen Menschen, die Tognum fördert, haben am Ende ihrer Schulzeit nicht nur ihren Highschool-Abschluss, sondern auch solide Fähigkeiten als Industriemechaniker, mit denen sie sofort anfangen können zu arbeiten. "Aber ist es nicht so, dass deutsche Ingenieure ohnehin immer alles besser wissen?", fragt Richenhagen und erntet Gelächter im Publikum. Nein, nein, meint Walter Maisel von Kostal. "Die US-Ingenieure sind sehr gut, die mit Master-Abschluss oder PhD oftmals besser als Deutsche mit Professortitel."

Mehr Zusammenarbeit in Washington gewünscht

Trotz des Optimismus schauen auch die deutschen Firmen in den USA dieser Tage gespannt nach Washington. Stichwort Fiskalklippe. Wenn Demokraten und Republikaner sich nicht einigen, treten zu Jahresende unangenehme Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft.

Man wünsche sich mehr Zusammenarbeit der Parteien, erklärt Thomas Zielke. Er ist Interessenvertreter der deutschen Wirtschaft in der US-Hauptstadt: "Wenn Obama mehr Zusammenarbeit in seiner zweiten Amtszeit durchsetzen könnte, das wäre sehr hilfreich."

Ausbau von US-Ressourcen

Deutsche Firmen beschäftigen in den USA rund 570.000 Leute. Der Mischkonzern Siemens beschäftigt allein 60.000 Menschen und damit mehr als der US-Software-Riese Microsoft. Zwei Drittel der deutschen Firmen planen Neueinstellungen im kommenden Jahr.

"Wir investieren lieber hier in den Ausbau von Produktion und Ressourcen, als Technologie aus Deutschland einzuschiffen", sagt Linda Mayer, Chefin des US-Geschäfts des Glasspezialisten Schott. Man baue neben der boomenden Autoindustrie und dem Energiesektor auch auf eine solide Erholung des Häusermarktes. "Ich möchte sicherstellen, dass wir für all das bereit sind und hier in den USA gut aufgestellt sind."

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