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Westafrika

Der Mann, der Malis Krieg nach Algerien holte

Er wollte Frankreich aus Mali vertreiben - und nahm zu diesem Zweck Geiseln in Algerien. Hinter dem nun eskalierten Geiseldrama am Gasfeld steckt wohl ein langjähriger Terrorist und Kämpfer für den "Dschihad".

"Der Einäugige" - das ist einer der Spitznamen, unter denen Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar bekannt ist. Der Algerier hat einst in Afghanistan gegen die russischen Besatzer gekämpft und dabei ein Auge verloren - jetzt gilt er als einer der einflussreichsten islamistischen Führer in der Sahara-Region. Er soll hinter der Geiselnahme auf das Gasfeld "In Amenas" im Südosten Algeriens stehen. 35 Geiseln starben, nachdem die algerische Armee eingegriffen hatte.

Straßenschild des Gasfeldes In Amenas, wo Islamisten am 16.01.2013 Geiseln genommen haben. (Foto: dpa)

Geiselnahme im algerischen Gasfeld

Am Mittwochabend (16.01.2013) hatten Islamisten die Gasförderanlage gestürmt und nach eigenen Angaben unter anderem 41 Europäer und US-Bürger in ihre Gewalt gebracht. Zu dem Anschlag bekannte sich das Kommando "Al-Muwaqiun bi-I Dam", "Die mit Blut unterzeichnen". Belmokhtar gründete die Gruppe im vergangenen Dezember, nachdem er sich offenbar mit anderen Anführern der "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" (AQMI) überworfen und von dem regionalen Ableger des Terrornetzwerks losgesagt hatte. Zuvor soll Belmokhtar eine Zelle der AQMI in Mali geleitet haben.

Absehbare Eskalation

"Einige Beobachter sind der Meinung, dass Belmokthar mit dem Anschlag seinen übereifrigen Gehorsam zeigen will. Denn er stand lange Zeit auf Platz zwei oder drei des Netzwerkes, wurde dann aber in Mali in die zweite oder dritte Reihe abgeschoben", erläutert Hardy Ostry, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung für Algerien, Tunesien und Libyen im Gespräch mit der DW. Tatsächlich forderte das Kommando "Al-Muwaqiun bi-I Dam" nach der Geiselnahme, dass der französische Militäreinsatz in Mali beendet werde.

Französische Soldaten verlassen Bamako auf dem Weg in den Norden Malis am 15.01.2013 (Foto: AFP/Getty Images)

Französische Panzertruppen auf dem Weg in den Norden Malis

Dass sich der Konflikt in dem westafrikanischen Land nach der Intervention Frankreichs nun offenbar auch auf Algerien ausweitet, kommt für viele Experten nicht überraschend. Die islamistischen Gruppen seien unter anderem verärgert darüber, dass die algerische Regierung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich für ihren Einsatz Überflugrechte eingeräumt hat, meint Asiem El Difraoui vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik in Berlin. "Und daher versuchen sie jetzt offenbar, ein sehr brutales Zeichen zu setzen", glaubt der Al-Kaida-Experte. Zudem hätten Dschihadisten gehofft, in Mali dauerhafte Stützpunkte aufzubauen. Denn im benachbarten Algerien hatte die Bewegung an Einfluss verloren - ein persönlicher Verlust für den Algerier Belmokhtar, der die Bewegung in seinem Heimatland mit aufgebaut hatte.

Radikalisierung eines Islamisten

Der 1972 in der algerischen Oasenstadt Ghardaia geborene Belmokhtar kämpfte als 19-Jähriger zunächst an der Seite internationaler Islamisten in Afghanistan. 1993 kehrte er in seine Heimat zurück und schloss sich dort den "Bewaffneten Islamischen Gruppen" (Groupe Islamique Armé - GIA) an, die seit 1991 gegen das Militärregime kämpften.

Auslöser der blutigen Auseinandersetzungen war die erste demokratische Wahl in Algerien, bei der die "Islamische Heilsfront" (FIS) im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erhielt, aber nicht die Regierung stellen durfte. Der in den Jahren darauf folgende Terror kostete bis zu 200.000 Menschen das Leben. In dieser Zeit brachte es Belmokhtar bei der GIA schnell zum Kommandeur, bevor er 1998 zur noch extremistischeren "Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC) wechselte, aus der schließlich 2007 die AQMI hervorging.

Ein Videobild zeigt Islamisten in den Straßen von Gao im Norden Malis im Juni 2012. (Foto: AFP/Getty Images)

Islamisten in den Straßen von Gao im Norden Malis im Juni 2012

Belmokhtar führte eine der wichtigsten Zellen der Al-Kaida-Gruppe an und machte mit der Entführung von westlichen Touristen Schlagzeilen. Daneben häufte er ein Millionenvermögen an und andere AQMI-Führer taten es ihm gleich. "Die haben sich des Markennamens Al-Kaida bedient, und natürlich auch der Ideologie. Aber im Grunde sind das nicht besonders ideologische Menschen", betont El Difraoui. "Sie probieren zwar, eine Art islamistischen Staat zu errichten. Aber sie haben auch sehr viel Geld durch Waffen- und Menschenschmuggel und Entführungen und Drogen gemacht."

Grenzüberschreitende Gefahren

Gerade weil diese Gruppen in der Region so gut vernetzt sind, seien ähnlich terroristische Anschläge wie in Algerien auch in Malis anderen Nachbarländern denkbar. "Beispielsweise in Mauretanien, Niger, Nigeria, aber auch in Südtunesien", so El Difraoui. Zumal sich die Sicherheitslage in der ganzen Region seit dem Ende des Gaddafi-Regimes extrem verschlechtert hat.

"Die Waffenlager Gaddafis waren eine willkommene Beute für die Milizen und für alle Gruppen, die dort in dieser Region aktiv sind", erläutert Hardy Ostry. "Eine der größten Befürchtungen der Regierungen dort ist, dass sie die Situation nicht mehr in den Griff bekommen." Die Geiselnahme in "In Amenas" und ihr blutiges Ende dürfte diese Befürchtungen noch verstärken.

DW.DE

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