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EU

Der Euro - Erfolgsgeschichte oder Fehlkonstruktion?

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro in zwölf europäischen Ländern zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Eine Bilanz nach gut einer Dekade Euro-Bargeld fällt gespalten aus.

Deutsches Euro-Starter-Kit (Foto: dapd)

Deutsches Euro-Starter-Kit

Mitte Dezember des Jahres 2001 konnten die Bürger in zwölf europäischen Ländern erstmals den Euro in ihren Händen halten. Damals wurden die so genannten Starter-Kits ausgegeben, um die Bürger mit jenen Münzen vertraut zu machen, die ab dem 1. Januar 2002 offizielles Zahlungsmittel in der Währungsunion waren. Zehn Jahre Euro-Bargeld - heute kann man darüber streiten, ob der Euro eine Erfolgsgeschichte oder die Geschichte einer Fehlkonstruktion ist.

Ex-EZB-Präsident Wim Duisenberg (Foto: dapd)

Erster EZB-Präsident: Wim Duisenberg

Schon vier Jahre vorher, 1998, wurde die Europäische Zentralbank in Frankfurt gegründet. Sie war nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank konstruiert worden und ist - darauf hatten die Deutschen besonders Wert gelegt - einzig und allein der Geldwertstabilität verpflichtet. Nimmt man die Inflationsrate und den Wechselkurs zu anderen Währungen als Maßstab, dann kann man durchaus von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Denn die EZB hat den Euro bislang recht sicher durch alle Währungsturbulenzen gesteuert. An seinem ersten Handelstag, dem 4. Januar 1999, als der Euro in elf Ländern als Buchgeld eingeführt wurde, notierte er bei knapp einem Dollar und 18 US-Cents. Doch dann wurden Politiker und Ökonomen zunehmend nervös, denn der Euro verlor ständig an Wert. Im Oktober 2000 erreichte er sein bisheriges Allzeit-Tief, als man nur noch rund 82 US-Cent für einen Euro bekam.

Prophetische Kommentare

"Die Devisenmärkte spüren sehr genau, ob die Politik den richtigen Weg zur Stärkung einer Währung einschlägt oder nicht", sagte damals ein Kommentator im Deutschen Programm der Deutschen Welle. "Da gehen die Europapolitiker hin und gestatten den Italienern entgegen den Stabilitätskriterien eine höhere Neuverschuldung. Und als Krönung beschließen sie auch noch, beide Augen zuzudrücken und Griechenland als 12. Mitglied in den Währungsclub aufzunehmen. Kein Wunder, dass die Devisenmärkte kein Vertrauen in den Euro entwickeln."

Theo Waigel (Foto: dpa)

Gilt als Erfinder des Namens Euro: Theo Waigel

Ein Kommentar, geschrieben vor gut elf Jahren, im Oktober 2000. "Das Problem besteht in Griechenland, die hätten nicht hineingehört in die Wirtschafts- und Währungsunion", sagt heute auch Theo Waigel, der in den 90er Jahren als deutscher Finanzminister an den Verhandlungen zur Einführung des Euro beteiligt war. "Was wir haben, sind Finanzprobleme in einigen Ländern, die durch die größte Finanzkrise der letzten 80 Jahre hervorgerufen wurden, auch durch Fehler einiger Länder. Aber wir haben nicht ein Problem der Währung, sondern ein Problem dieser spezifischen Länder."

Währungs- oder Schuldenkrise?

Mit anderen Worten: Es gibt keine Eurokrise. Obwohl viele Länder der Euro-Zone massive Schuldenprobleme haben, hat sich der Euro als Währung bestens bewährt. Er hat den Unternehmen Milliarden an Transaktionskosten erspart. Er hat den Deutschen enorme Exporterfolge und den Peripherieländern lange Zeit niedrige Zinsen beschert. Er ist nach dem Dollar zur zweitwichtigsten Reservewährung der Welt aufgestiegen. Und trotz aller Turbulenzen ist sein Wert gegenüber dem Dollar erstaunlich stabil geblieben.

An einem Gemüsestand hält ein Kunde eine Handvoll Euro-Münzen (Foto: dapd)

Euro gleich Teuro: Gefühlte Inflation

Doch wer nicht gerade in den Dollarraum exportiert oder dort Urlaub macht, interessiert sich kaum für den Außenwert der europäischen Gemeinschaftswährung - er ist mehr an der inneren Stabilität seiner Währung interessiert. Vor allem in Deutschland galt der Euro anfangs als "Teuro". Den Deutschen war vor zehn Jahren der Abschied von der D-Mark recht schwer gefallen. Und auch heute noch hält sich hartnäckig das Gefühl einer hohen Geldentwertung, obwohl die Statistik eine andere Sprache spricht: In den zehn Jahren, seit denen der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel gilt, war die Inflation im Euroraum geringer als in den letzten zehn Jahren der D-Mark.

Gemessen an der Inflationsrate und dem Wechselkurs ist der Euro also auch nach zehn Jahren noch durchaus eine Erfolgsgeschichte. Andererseits war es auch der Euro, der die massiven Zahlungsbilanzprobleme einiger Länder verursacht hat. "Die finanziellen Probleme der südlichen Euroländer - speziell Griechenlands und Portugals - sind zum großen Teil hausgemacht", schreibt zum Beispiel das Institut der deutschen Wirtschaft. "Denn eigentlich hatte die Einführung des Euro den heutigen Krisenstaaten eine große Chance geboten." Schon die Ankündigung der neuen Währung habe ab etwa 1995 die Zinsaufschläge kräftig sinken lassen, die die Südländer - verglichen mit Deutschland - auf Staatsanleihen zahlen mussten. Damit verringerten sich die Zinslasten erheblich.

Gebäude der Nationalbank von Griechenland (Foto: dapd)

Griechenland und Portugal hätten nicht in den Euro-Klub gedurft

Allerdings nutzten weder die Griechen noch die Portugiesen den dadurch vergrößerten Spielraum aus. "Statt wachstumsfördernde Investitionen anzukurbeln, wurden vor allem die Sozialausgaben zum Teil massiv ausgeweitet - in Griechenland etwa von 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 1995 auf mehr als 25 Prozent 2007. In Portugal stieg die Sozialausgabenquote ähnlich stark an", schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft.

Mit gegangen, mit gehangen

Durch die niedrigen Zinsen ließen sich Staat, Unternehmen und Privathaushalte zu einer übermäßigen Kreditaufnahme verleiten. Dadurch wurde ein künstlicher, kreditfinanzierter Wirtschaftsboom ausgelöst, der die Preise und Löhne viel rascher als in den anderen Euroländern ansteigen ließ, was die Importe erhöhte und die Exporte dämpfte. Es bildete sich eine Wirtschaftsblase, die freilich platzte, als die Kapitalmärkte sich weigerten, die gewaltigen Leistungsbilanzdefizite weiter ohne nennenswerte Risikoaufschläge zu finanzieren.

Deshalb stecken die ehemals boomenden Länder heute mit ihren überzogenen Preisen und Löhnen in einer tiefen strukturellen Krise und sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Sie bräuchten jetzt eigentlich eine Neujustierung der Wechselkurse, eine Abwertung, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Aber dieser Weg ist im Euro-System verbaut. Wer den Euro hat, kann nicht einseitig abwerten. Mit gegangen, mit gefangen - das ist die Kehrseite des Euro. Eine zwiespältige Bilanz also.

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