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Weltbank will globalen Epidemien-Fonds

11. Oktober 2014

Die Zahl der registrierten Ebola-Opfer in Westafrika ist auf mehr als 4000 gestiegen. Dennoch läuft die internationale Hilfe weiterhin nur schleppend. Das müsse sich ändern, fordert Weltbank-Chef Jim Yong Kim.

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US-Soldaten in Fort Campbell
Bild: Reuters/H. McClary

Die internationale Gemeinschaft habe "spät, unzureichend und langsam" auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika reagiert, kritisierte Weltbank-Chef Jim Yong Kim bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Angesichts der schleppenden internationalen Hilfe forderte Kim einen globalen Nothilfefonds zur Bekämpfung von Epidemien. Bei Finanzkrisen habe die Welt den IWF. "Wenn es dagegen um Gesundheitsnotfälle geht, dann ist unser institutioneller Instrumentenkasten leer", sagte Kim. Derzeit gebe es keine Einrichtung, die bei Epidemien den betroffenen Ländern finanziell und beratend zügig zur Seite stehen könne.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Westafrika mittlerweile mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben, darunter auch 233 Helfer aus dem Gesundheitsbereich. Insgesamt infizierten sich mehr als 8300 Patienten mit dem Virus. Besonders betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone. Mehr als die Hälfte aller Opfer wurde in Liberia verzeichnet. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Marokko will Afrika-Cup verschieben

Angesichts der sich ausbreitenden Epidemie will Gastgeber Marokko die Austragung des Afrika-Cups 2015 verschieben. Vorgesehen ist das Fußball-Turnier vom 17. Januar bis 8. Februar im Königreich. Die Regierung richtete am Freitag einen entsprechenden Antrag an den afrikanischen Fußball-Verband CAF. Vorausgegangen war eine Entscheidung des marokkanischen Gesundheitsministeriums, Menschenansammlungen und die Teilnahme von Ländern, in denen Ebola ausgebrochen ist, zu vermeiden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sieht trotz einiger Ebola-Verdachtsfälle in Europa keine Gefahr für Deutschland. "Unser Gesundheitssystem ist sehr gut aufgestellt, deshalb muss sich niemand in Deutschland Sorgen machen", sagte Gröhe der "Rheinischen Post". Er lobte die Umsichtigkeit der Länder, die in Deutschland für den Infektionsschutz zuständig sind. Sie hätten bei allen bisherigen Verdachtsfällen "professionell gehandelt" und "jede denkbare Ansteckung durch eine rechtzeitige Isolierung" verhindert. Der Minister verwies auch darauf, dass die Notfallpläne für den Umgang mit Erkrankten regelmäßig geübt würden. Zudem verfüge Deutschland über "hervorragend ausgestattete Behandlungszentren", die auf den Umgang mit hoch ansteckenden Krankheiten spezialisiert seien.

Erster Verdachtsfall in Brasilien

In Brasilien ist ein Mann aus Guinea unter Quarantäne gestellt worden. Der 44-jährige Flüchtling war vor drei Wochen in die südbrasilianische Stadt Cascavel gekommen und bekam eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Innerhalb von drei Tagen soll Klarheit über den Ebola-Verdacht herrschen. Es wäre der erste Fall in Lateinamerika.

Ebola Patient Brasilien 10.10.2014
In Brasilien steht ein 44-Jähriger aus Guinea unter Quarantäne.Bild: Reuters/Mauro dos Santos (

Wie angespannt Behörden und Personal inzwischen auf die "Gefahr" Ebola reagieren, zeigt ein Fehlalarm in Las Vegas: Dort war eine Maschine der Delta Air Lines kurzzeitig wegen Ebola-Verdachts unter Quarantäne gestellt worden. Ein Delta-Sprecher sagte, ein Passagier auf dem Flug von New York habe sich unwohl gefühlt. Die Besatzung habe die Kontrollbehörden informiert. Nach der Landung der Maschine auf dem Flughafen McCarren in Las Vegas hätten Ärzte den Fluggast untersucht und festgestellt, dass es sich nicht um eine ansteckende Krankheit handele. Daraufhin sei der Alarm aufgehoben worde, alle 160 Passagiere hätten das Flugzeug verlassen dürfen.

Unterdessen bestätigte sich der Ebola-Verdacht bei einer Frau in Paris nicht. Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine erklärte, es gebe in Frankreich derzeit "keinen Ebola-Fall".

ab/se (dpa, Reuters, sid)