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Sterbehilfe für Kinder ist nicht verantwortbar!

Stefan Dege14. Februar 2014

Aktive Sterbehilfe für Minderjährige? Das übersteigt die menschliche Verantwortbarkeit, meint DW-Redakteur Stefan Dege.

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Porträt DW-Redakteur Stefan Dege - Foto: DW
Bild: DW/K. Dahmann

Es geht um Leben und Tod. Es geht um Selbstbestimmung, um Freiheit und Verantwortung. Und es geht um die Frage, wie sehr religiöser Glaube unser menschliches Handeln bestimmt. Große Worte. Aber - aktive Sterbehilfe für Kinder? Ich sage Nein!

Hat ein unheilbar krankes Kind den Wunsch zu sterben, können belgische Ärzte künftig ganz legal seinen Tod herbeiführen. So hat Belgiens Parlament entschieden. Aber vor den entscheidenden Antworten haben sich die Politiker gedrückt.

Ein sterbenskrankes Kind, das den eigenen Tod verlangt? Das ist glatte Erfindung: Ein Kind will gesund werden und leben. Das Kind hat ein Recht auf Hoffnung, bis zum letzten Atemzug. Kinder wie Jugendliche wollen Leitplanken für ihr Leben, Orientierung über Gut und Böse, Richtig oder Falsch. Wer Kinder hat, gewährt ihnen diesen Schutzraum, in dem Unmündige Entscheidungen nicht treffen müssen, die sie überfordern könnten, zum Beispiel die Frage des eigenen Todes.

Nur gereifte Persönlichkeiten ermessen - mit Glück - die Trageweite ihres Handels. Ein auf Verlangen herbeigeführter Tod aber ist endgültig. Tote lassen sich nicht wiederbeleben.

Wer also soll, wer kann Kindern und Jugendlichen die Entscheidung über ihren vorzeitigen Tod abnehmen? Eltern, Ärzte oder Psychologen sollen im Zusammenspiel zu einer Entscheidung finden, heißt es in Belgien. Das erinnert an ein Erschießungskommando. Das Prinzip heißt geteilte Verantwortung: Nur dass bei einer Hinrichtung unklar bleibt, wer die tödliche Kugel abfeuert.

Als Eltern möchte man sein Kind ins Leben führen, nicht in den Tod. Als Arzt möchte man heilen, nicht töten. Das gleiche gilt für Psychologen. Wer einer Runde angehört, die über das vorzeitige Sterben eines Kindes entscheidet, kann sich nicht vor persönlicher Verantwortung drücken.

Die Entscheidung darüber, ob ein Leben lebenswert ist, übersteigt den Rahmen des Verantwortbaren - schon bei Erwachsenen, erst recht aber bei Unmündigen. Hier möchte der Mensch den Gang der Dinge beeinflussen. Er spielt Gott - eine Anmaßung.

Das belgische Parlamentsvotum spitzt die Sterbehilfedebatte noch einmal zu und führt sie ad absurdum. Das ist das einzig Gute daran: Sie wirft alle wichtige Fragen auf. Um Antworten kommen wir nicht herum.