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Geheimgespräche mit den Taliban

4. Februar 2014

Afghanistans Präsident Karsai verhandelt angeblich mit den Taliban – und das schon seit Monaten. Nach einem Medienbericht ist der Westen daran nicht beteiligt. Eine Erklärung für die anti-amerikanische Rhetorik Kabuls?

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Afghanistans PräsidentHamid Karzai (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat Geheimgespräche mit der radikal-islamischen Taliban über ein Friedensabkommen geführt. Der Sprecher des Staatschefs, Aimal Faisi, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "New York Times". "Die Taliban sind mehr als bereit, sich am Friedensprozess zu beteiligen", sagte er. Nach Angaben eines Vertreters des von Karsai ins Leben gerufenen Hohen Friedensrates fanden die Gespräche in Dubai und Riad statt. Es gebe weiterhin Kontakte.

Die US-Regierung sieht laut "New York Times" einen Zusammenhang zwischen den im November begonnenen Taliban-Gesprächen und der jüngst verschärften anti-amerikanischen Rhetorik Karsais. So hatte Karsai fast zeitgleich mit Beginn der Geheimgespräche die USA darüber in Kenntnis gesetzt, dass er ein bilaterales Sicherheitsabkommen zur Stationierung von US-Soldaten nach dem Abzug der Kampftruppen vorerst nicht unterzeichnen werde. Stattdessen will Karsai zunächst die Präsidentenwahl im April abwarten, bei der er selbst nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann.

Taliban dementieren Berichte über Treffen

Die Taliban haben die Angaben der afghanischen Führung zu Geheimgesprächen zwischen den beiden Konfliktparteien dementiert. "Wir weisen alle Gerüchte und Berichte über Treffen unserer Anführer mit der Kabuler Regierung scharf zurück", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid auf Anfrage, wie Korrespondenten berichteten.

Unterdessen hält die deutsche Bundesregierung die Sicherheitslage in Afghanistan ein knappes Jahr vor Ende des Nato-Kampfeinsatzes in den meisten Gebieten für ausreichend kontrollierbar. Diese Einschätzung gelte für die Ballungsräume und entlang der wichtigsten Verkehrswege, wo 80 Prozent der Einwohner lebten, heißt es in dem Afghanistan-Fortschrittsbericht der Regierung zum Jahr 2013, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Auch in der Hauptstadt Kabul sei die Lage "überwiegend kontrollierbar". In den ländlichen Gebieten im Osten und Süden des Landes müsse man dagegen von einer überwiegend oder gar nicht kontrollierbaren Situation sprechen.

Afghanistan-Fortschrittsbericht der Bundesregierung im Kabinett

Im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr in Nordafghanistan sei in einigen Gebieten eine Konsolidierung und erhöhte Aktivität der Aufständischen "zum Teil mit vorübergehenden Erfolgen" festzustellen, heißt es in dem Bericht. Die afghanische Armee sei dort aber in der Lage gewesen, dieser Entwicklung zu begegnen.

Die Zahl der Gefallenen bei der afghanischen Armee und Polizei habe sich in den ersten elf Monaten 2013 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf landesweit rund 4600 verdoppelt. Die Sicherheitslage bleibe insgesamt angespannt. "Regierungsfeindliche Kräfte" seien weiterhin in der Lage, in allen Landesteilen Anschläge zu verüben, heißt es in dem Bericht, der an diesem Mittwoch vom Kabinett in Berlin beschlossen werden soll.

re/mak (dpa, rtr, afp)