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Zehn Jahre Facebook

Silke Wünsch4. Februar 2014

Was vor zehn Jahren als Plattform für Studenten begann, ist zum größten sozialen Netzwerk der Welt geworden. Fotos, Nachrichten, Likes und Nutzerprofile: Für den Gründer ist Facebook ein Milliardengeschäft.

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Firmenschild von Facebook mit "Like"-Daumen (Foto: picture-alliance/dpa)
Bild: picture-alliance/dpa
Boston, Harvard-Universität, anno 2003: Ein junger Psychologie-Student, gerade 19 Jahre alt, ist soeben von seiner Freundin verlassen worden. Wütend setzt er sich an seinen Rechner und übt Rache. Er knackt sämtliche Datenbanken der Studentenwohnheime von Harvard, in denen Fotos von Studentinnen gespeichert sind. Er stellt die Bilder ins Netz - mit einem für alle zugänglichen Bewertungssystem für das Aussehen von Frauen. Innerhalb der Uni verbreitet sich die Seite wie ein Lauffeuer, nach wenigen Tagen aber muss sie aufgrund heftiger Proteste gelöscht werden.

Ausschnitt aus dem Film "The Social Network" (Foto: picture-alliance)
Im Film "The Social Network" wird die Geschichte von Facebook nacherzähltBild: AP
Der junge Student von damals heißt Mark Elliot Zuckerberg und ist heute einer der reichsten Männer der Welt. Mit nicht mal 30 Jahren.

CEO im Kapuzenpulli

Die Webseite mit dem Mädchenvergleich ist für Zuckerberg und drei seiner Kommilitonen die Initialzündung. Am 4. Februar 2004 wird in einem Zimmer im Studentenwohnheim der Harvard-Universität "The Facebook" freigeschaltet. Eine Kommunikationsplattform - gedacht nur für Studenten. Zentrales Element einer jeden Facebookseite ist die persönliche Pinnwand. Hier können die Nutzer sich verabreden, nach Gleichgesinnten suchen, Fotos teilen, Partys planen, sich zum Geburtstag gratulieren. Oder einfach nur das persönliche Befinden mitteilen. Die Plattform hat nach kurzer Zeit 10.000 Nutzer an mehr als 30 US-Universitäten.

Zuckerbergs Freunde und Mitbegründer versuchen schnell, ein lukratives Unternehmen aus Facebook zu machen. Das "the" im Titel verschwindet schon nach wenigen Monaten. Doch Zuckerberg will keine Werbekunden. Facebook soll werbefrei - und damit cool - bleiben. Er selbst zeigt sich auch nach außen hin unangepasst: Seine Businesskleidung sind Jeans und Kapuzenpulli.

Schleppender Deutschlandstart

Zuckerberg wird von Anfang an heftig umworben, fliegt mit Firmenbossen in deren Jets um die Welt und schlägt millionenschwere Angebote aus. Lange hält sein Widerstand gegen das Big Business aber nicht: Schon im Sommer 2004 steigt der gebürtige Deutsche Peter Thiel als Erster mit einem Darlehen bei Facebook ein. Im Frühjahr 2005, ein gutes Jahr nach der Freischaltung, wird mit Accel Partners der nächste Investor beteiligt.

Mark Zuckerberg lacht (Foto: Justin Sullivan/Getty)
Mark Zuckerberg, der 30 Milliarden US-Dollar-MannBild: Justin Sullivan/Getty Images
Der Erfolg überrennt die ursprüngliche Idee eines reinen Studentennetzwerks: Zuckerberg öffnet das Netz für alle, Facebook schwappt nach Europa, Asien, Afrika. Am 1. März 2008 startet die deutsche Version. Noch tummelt sich das Netzvolk auf anderen sozialen Plattformen: Angesagt sind MySpace, SchülerVZ und StudiVZ. Wer dort mit seinen Freunden vernetzt ist, werde die Plattform nur dann verlassen, wenn alle anderen auch mitgehen, glauben ihre Betreiber. Und unterschätzen Facebook als Mitbewerber zunächst.
Es dauert jedoch nicht lange, bis die Deutschen Facebook für sich entdecken. Im Juli 2009 gibt es bereits 3,4 Millionen Nutzer. Heute sind mehr als 25 Millionen Deutsche bei Facebook angemeldet.

Deutscher Markt ist ausgeschöpft

Seit Mai 2009 beobachten die Blogger Philipp Roth und Jens Wiese die Entwicklung von Facebook. Auf dem Blog allfacebook.de verbreiten sie die neuesten Meldungen über Veränderungen, sammeln Zahlen und Fakten über Facebook und erklären den Nutzern, wie sie die neuen Features anwenden können.

Philipp Roth, Blogger und Gründer von Allfacebook.de (Foto: Philipp Roth)
Philipp Roth, der Facebook-BeobachterBild: Philipp Roth
Für Philipp Roth hat sich Facebook in den letzten vier bis fünf Jahren extrem verändert: "Anfangs war das eine Entwicklung, die sehr vom Nutzerwachstum geprägt war." Man musste sich das Publikum in Deutschland also erst mal heranzüchten. Das sei eine turbulente Zeit gewesen - voller Hochs und Tiefs: "In den letzten Jahren gab es um die vier unterschiedliche Profilseiten und nichts sieht so aus wie früher. Fast alle Bereiche wurden öfters neu gebaut. Facebook ist sehr konstant mit seinen Innovationen."

In den vergangenen ein bis zwei Jahren habe sich Facebook jedoch auch immer mehr den Unternehmen zugewendet, erklärt Roth. Denn mit 25 Millionen privaten Nutzern sei dieser Markt in Deutschland so gut wie ausgeschöpft. "Man merkt, dass Facebook in der Business-Richtung auch immer professioneller wird."

Noch sechs Milliarden bis zur Weltherrschaft

Marc Zuckerbergs Imperium umfasst mittlerweile weltweit 1,2 Milliarden Nutzer. Das ist ein Sechstel der Weltbevölkerung. Viel stand in den vergangenen Wochen über einen Nutzerrückgang in Zeitungen und im Netz. Junge Menschen wanderten ab, weil das Netzwerk "uncool" geworden sei, heißt es da.

Von einer Massenabwanderung junger Nutzer kann allerdings noch nicht die Rede sein. Und das hat Gründe: Keine Plattform bietet das an, was Facebook hat. Und keine Plattform verändert sich so schnell: "Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, wie Facebook vor fünf Jahren ausgesehen hat, dann kann man sich kaum vorstellen, dass dies jetzt die Seite ist, auf der man sich damals angemeldet hat", erzählt Philipp Roth. "Wenn jemand Facebook wirklich ablösen will, dann braucht er eine komplett neue Idee."

Die Maschinen gucken ganz genau hin

Zehn Jahre Facebook

Mittlerweile müsste eigentlich jedem Nutzer klar sein, dass er von den Facebook-Maschinen ganz genau beobachtet wird. Dass sein Verhalten auf Facebook analysiert und weiter verwertet wird: was ihm "gefällt", welche Videos er lustig findet, mit welchen Nutzern er auf welche Weise interagiert. Zuckerbergs Algorhythmen durchkämmen ständig die Nutzerprofile und versuchen, das Angebot für jeden noch passgenauer zu gestalten.
Diese Datensammelwut hat schon für zahlreiche Proteste gesorgt - von Seiten der Datenschützer wie auch von Nutzern. Der Österreicher Max Schrems verklagte Facebook 2011 erfolgreich auf die Herausgabe seiner gesammelten Daten. Das Ergebnis füllte mehr als 1000 Seiten.

Zu ihrem 10. Geburtstag ist die Firma Facebook Inc. 150 Milliarden US-Dollar wert. Gerade ist die Aktie wieder gestiegen. Weiter werden Fotos von Partys, Kindern, Urlauben gepostet, Videos geteilt, Befindlichkeiten ausgetauscht, Veranstaltungen erstellt und Millarden Likes vergeben. Zu den jetzt schon gesammelten Millionen Terrabytes an Nutzerdaten werden weitere hinzu kommen. Wer nicht will, kann ja aufhören und das Netzwerk verlassen, heißt es immer. Allerdings: Facebook lässt seine Nutzer zwar gehen, doch deren Daten behält es.