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Brasilien hofft auf WM ohne Doping

Clarissa Neher/KK26. April 2014

Kurz vor der WM ist dem brasilianischen Labor, das die Spieler auf möglichen Doping-Missbrauch testen sollte, die Lizenz entzogen worden. Nun müssen die Proben in der Schweiz überprüft werden.

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Symbolbild Doping: Eine Spritze und verschiedene Tabletten liegen zusammen mit Sportpiktogrammen auf einem Tisch. (Foto: Andreas Franke)
Bild: picture alliance/Andreas Franke

Über 400 Fußballer werden an der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien teilnehmen - und sie alle müssen sich vor Beginn des Turniers einem Doping-Test durch die FIFA unterziehen. Auch während der WM werden die Sportler untersucht: Bei jedem Spiel werden pro Mannschaft zwei Spieler ausgelost, die nach dem Abpfiff kontrolliert werden. Die FIFA geht davon aus, mit dieser Praxis den möglichen Einsatz von Doping in den einzelnen Teams lückenlos nachweisen zu können.

Anders als üblich werden die den Spielern entnommenen Urin- und Blutproben aber nicht im Austragungsland des Turniers analysiert. Diese Aufgabe übernimmt ein Labor in der Schweiz, nachdem das einzige von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) anerkannte brasilianische Labor im September 2013 seine Lizenz verlor.

FIFA übernimmt Kosten

Das der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro angeschlossene "Laboratorium zur Unterstützung der Technischen Entwicklung" (Laboratório de Apoio ao Desenvolvimento Tecnoógico, Ladetec) musste seine Lizenz abgeben, weil seine technischen Einrichtungen nicht den Anforderungen der WADA entsprachen.

"Nachdem die WADA dem brasilianischen Labor die Lizenz entzogen hat, liegt die Verantwortung für die Proben bei der FIFA", erklärt die Pressestelle des Weltfußballverbandes auf Anfrage der DW. Sämtliche durch die Tests entstehenden Kosten werden von der FIFA übernommen. Der Verband garantiert zudem, dass alle Ergebnisse innerhalb von 48 Stunden nach Entnahme der Proben veröffentlicht werden.

Sorge um den guten Ruf

Die FIFA lässt die Proben nicht zum ersten Mal in einem anderen als dem WM-Land durchführen. Auch die Teilnehmer der Club-Weltmeisterschaft 2013 in Marokko wurden außerhalb Marokkos überprüft, ebenso die Teilnehmerinnen der U-17-Weltmeisterschaft in Costa Rica wie auch die der U-20-Weltmeisterschaft 2013 in der Türkei.

Die Beine zweier Fußballer, die dem Ball hinterherlaufen (Foto: Maxisport)
Die Brasilianer hoffen auf ungedopte FußballerBild: Fotolia/Maxisport

Dennoch hat der Lizenzentzug in Brasilien Sorge um den Ruf des Landes ausgelöst. "Brasilien hatte genügend Zeit zur Vorbereitung der WM", sagt Eduardo Henrique De Rose, Mitglied des Gründungsrats der WADA. "Der Verlust der Konzession hat zur Folge, dass nun rund tausend Proben in die Schweiz geschickt werden müssen. Das ist für das Image des Landes alles andere als förderlich."

Hoffnung auf ein faires Turnier

1996 führte die FIFA ihr Anti-Doping System ein - mit Erfolg: Bei keiner der seitdem veranstalteten fünf Weltmeisterschaften ergaben die Testreihen ein positives Ergebnis. Anders ausgedrückt: Keinem der Spieler wurde die Einnahme von Doping-Mitteln nachgewiesen. Seit März dieses Jahres hat die FIFA den Ani-Doping-Kampf verschärft: Die Tests erfolgen nun ohne vorherige Ankündigung. Dieses System soll nun auch in Brasilien "saubere" Spiele garantieren.

Werden dennoch Spieler positiv getestet, richtet sich die Sanktion nach Art und Menge der eingenommenen Substanzen. Im schlimmsten Fall kann über einzelne Fußballer ein Spielverbot von bis zu zwei Jahren verhängt werden. Betroffene Mannschaften können vom Turnier ausgeschlossen werden.

Die meisten Dopingfälle im Fußball finden allerdings nicht auf internationaler Ebene statt. Der überwiegende Teil geht außerdem auf die Einnahme von Mitteln zurück, die einen ganz anderen Zweck erfüllen sollen als eine Leistungssteigerung - etwa einen Gewichtsverlust. "Eine sehr häufig Ursache für Doping im Fußball ist das mangelhafte Wissen der Spieler. Viele wissen gar nicht, was sie nehmen dürfen und was nicht", so de Rose.

Auf internationalem Niveau sind die Spieler hinreichend aufgeklärt. Das, so die Hoffnung der FIFA, könnte dazu führen dass auch die WM 2014 durch keinen Doping-Skandal erschüttert wird.