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Boko-Haram-Hauptquartier angeblich zerstört

27. März 2015

Einen Tag vor der Parlamentswahl meldet die nigerianische Armee, sie habe die Zentrale der radikal-islamischen Miliz Boko Haram in Gwoza erobert und zerstört. Belege lieferten die Streitkräfte allerdings nicht.

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Nigerianische Soldaten (Foto: Reuters)
Bild: Reuters/J. Penney

Nach Angaben der nigerianischen Militärführung befindet sich das Hauptquartier der radikalen Dschihadisten in der Stadt Gwoza im Nordosten des Landes unter der Kontrolle der Streitkräfte. Die Armee habe Gwoza nach "abgestimmten und gut koordinierten Boden- und Lufteinsätzen" zuückerobert, sagte Armeesprecher Chris Olukolade in Abuja. Die Stadt werde nun abgeriegelt und durchsucht, um "fliehende Terroristen" und mögliche Geiseln zu finden.

Die Zentrale der islamistischen Miliz sei bei der Einnahme der Stadt "vollständig zerstört" worden, ergänzte Olukolade. Bei der Offensive gegen die Islamisten in Gwoza seien mehrere Boko Haram Kämpfer getötet und viele weitere festgenommen worden. Die Militärangaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, wonach Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau und seine treuesten Gefolgsleute sich in ihrer Hochburg Gwoza im Bundesstaat Borno aufhielten. Angeblich sollen sich auch Geiseln dort befinden, darunter viele der mehr als 200 im vergangenen Jahr in Chibok entführten Schülerinnen. Auch für diese Berichte gibt es keine Bestätigung.

Boko Haram-Führer Shekau hatte Gwoza zur Hauptstadt eines neuen islamischen Kalifates erklärt, nachdem seine Kämpfer die Stadt im vergangenen August eingenommen hatten. Die radikale Sunniten-Gruppe hatte zuletzt der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) Gefolgschaft geschworen.

Spektakulärer Coup - oder Wahlpropaganda?

Die jüngste Entwicklung dürfte, wenn die Angaben sich bestätigen sollten, dem um seine Wiederwahl bangenden Staatspräsidenten Goodluck Jonathan zugute kommen. Ihm wird von der Opposition vor allem der schleppende Fortschritt im Kampf gegen Boko Haram vorgeworfen.

Wegen des Vormarschs von Boko Haram hatte die Wahlkommission die ursprünglich für den 14. Februar geplanten Wahlen auf den 28. März verschoben. Um die Sicherheit am Wahltag zu gewährlisten, hatte Nigeria bereits am Mittwoch für drei Tage seine Landesgrenzen geschlossen. Auch der Autoverkehr am Samstag wurde auf Anordnung der Polizei bis auf wenige Ausnahmen verboten.

Nach den jüngsten Erfolgen des nigerianischen Militärs, mit Hilfe von Truppen aus den Nachbarstaaten, bei der Zurückdrängung von Boko Haram spricht Präsident Jonathan bereits von einem Sieg über die Islamisten binnen eines Monats. Experten warnen jedoch vor zu großem Optimismus. Die Gruppe sei immer noch zu Anschlägen in der Lage, vor allem während des Wahltags.

Knapper Wahlausgang erwartet

Um das Amt des Präsidenten bewerben sich insgesamt 14 Kandidaten, darunter erstmals auch eine Frau. Ernsthafte Chancen haben aber nur zwei von ihnen: Neben dem 57-jährigen Amtsinhaber Jonathan, einem Doktor der Zoologie aus dem christlich geprägten Niger-Delta im Süden des Landes ist das der 72-jährige Oppositionsführer Muhammadu Buhari, ein ehemaliger Putschgeneral, der von 1983 bis 1985 schon einmal an der Spitze des Nigerias stand, bevor er seinerseits gestürzt wurde.

Der Christ Jonathan und der Muslim Buhari stehen für die Spaltung des Landes in den christlich geprägten, ölreichen Süden und den muslimischen Norden. Ihnen wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt. Beobachter rechnen mit dem knappsten Ergebnis seit der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahr 1960.

qu/gmf (rtre, APE, afp, dpae, epd, kna)