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Internet

Bettina Wulffs Kampf gegen Google

Die Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wehrt sich gegen böse Verleumdungen über ihre Vergangenheit. Will sie aufräumen oder sucht sie nur kostenlose PR für ihr neues Buch?

Bettina Wulff hat wenig Lust, weitere Informationen über ihre angebliche Vergangenheit zu lesen. Zu viele böse Gerüchte sind über sie verbreitet worden. Jetzt holt sie zum Gegenschlag aus. Anfang September hat ihr Anwalt, Gernot Lehr, wegen "Unterlassung falscher Tatsachenbehauptungen" Klage gegen den Suchmaschinendienst Google beim Landgericht Hamburg eingereicht. Ziel der Klage: Die Suchmaschine soll den Namen der ehemaligen First Lady nicht mehr mit anzüglichen Suchwörtern kombinieren und den Leser somit nicht auf nachgewiesen unwahre Inhalte lenken.

Ein Aufnahme durch eine Lupe zeigt die Internetseite von google, bei der Google-Autovervollstaendigung des Suchbegriffes Bettina Wulff. (Foto: dapd-Text)

Prostituierte? Escort-Service? Google listet peinliche Verknüpfungen bei der Eingabe des Namens von Bettina Wulff auf.

Wer beispielsweise "Bettina Wulff" in die Suchleiste der Suchmaschine Google eintippt, erhält an oberster Stelle die Vorschläge "bettina wulff prostituierte" oder "bettina wulff escort". Für die 38-Jährige ist das extrem unangenehm. Doch wird sie beim Kampf gegen den US-Konzern überhaupt etwas ausrichten können? "Es stellt sich wirklich die Frage, ob das eigener Inhalt ist, der hier von Google platziert wird", sagt Christian Solmecke, Kölner Anwalt für Medienrecht, im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Dazu haben sich Gerichte in Deutschland relativ wenig geäußert. Deshalb ist fraglich, ob Google hier in die Haftung genommen werden kann".

CDU-Kreise streuen das Gerücht bereits 2006

Hans Leyendecker gibt nach der Verleihung des Henri-Nannen-Preis im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg eine Interview (Foto: dpa)

Hans Leyendecker: "Sie war Mittel zum Zweck, um Wulff zu schaden."

Die Gerüchte sind brisant: Seit Jahren verbreiten Internetportale und Blogs die Geschichte, Bettina Wulff sei in ihrem vorherigen Leben eine Prostituierte gewesen. "Die Gerüchte kamen 2006 aus der CDU, sie kamen von Wulff-Gegnern. Die wurden dann so häufig erzählt, dass für die Verbreiter am Ende schon Gewissheit war, was sie erfunden hatten", sagt Investigativjournalist Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung" im Gespräch mit der DW. Die Geschichte war vor einigen Jahren nur absoluten Insidern der politischen Szene bekannt. Als die Kreditaffäre um den Bundespräsidenten Christian Wulff zum Jahreswechsel 2011/12 öffentlich wurde, recherchierten die Medien intensiv in der Hoffnung, auf weitere brisante Details über das Privat- und Berufsleben des damaligen Bundespräsidenten zu stoßen. Hinter vorgehaltener Hand machten damals auch die Gerüchte über das vermeintliche Vorleben seiner Ehefrau die Runde. Jedoch veröffentlichten die Medien nichts, es fehlte ein Beweis.

"Wulff hatte erstaunlich viele Gegner. 2011 erfassten die Gerüchte dann Journalistenkreise, wo jeder zum anderen sagte: 'Warum schreibst du es nicht auf?'", berichtet Leyendecker. Heute steht fest: An dem Gerede ist kein Funken Wahrheit. Das bestätigt Leyendecker auch noch einmal auf Nachfrage im DW-Interview. Fast scheint es, als wenn es in Deutschland einen Wandel im Umgang mit dem Privatleben von Prominenten gegeben hat. "Es war sicher früher mehr tabu, als das heute der Fall ist. Dass Horst Seehofer eine Geliebte in Berlin hatte, das wäre früher in Bonner Zeiten so nicht gelaufen", sagt Hans Leyendecker. Er gibt aber nicht nur der Politik und den Medien die Schuld. "Die Konsumenten haben so eine Jagdhaltung inne. Die warten ständig auf einen neuen Hype, die machen solche Entwicklungen dann leider auch erst möglich", so der Journalist.

Google ist der größte und wichtigste Gegner

Porträt von Christian Solmecke, Anwalt für Medienrecht (Foto: dpa)

Christian Solmecke: "Das tangiert Bereiche der Pressefreiheit."

Noch immer findet man die Lügengeschichten über Google. Diverse Blogbetreiber hat der Anwalt von Bettina Wulff schon abgemahnt, sie haben ihre Einträge gelöscht und Unterlassungserklärungen unterschrieben. Nun ist Google an der Reihe. Aus Sicht der Familie Wulff der größte Gegner. "Die zentrale Anlaufstelle für das alles ist Google. Wenn man gewisse Suchbegriffe aus dem Google-Index rausbekommt, Ergebnisse, die immer wieder zum selben rechtswidrigen Ergebnis kommen, dann kann das schon zum Erfolg führen", sagt Medienanwalt Solmecke.

Bettina Wulff ist nicht die erste Betroffene, die sich gegen Google zur Wehr setzt. In Frankreich hatten vier französische Menschenrechtsorganisationen Google des "latenten Antisemitismus" bezichtigt, weil bei der Suche nach Prominenten wie dem französischen Präsidenten "Hollande" in dem Suchfeld als erste Ergänzungsmöglichkeit "Jude" auftauchte. Am Ende wurde ein Vergleich geschlossen.

2009 musste Google-Frankreich den Algorithmus im Fall eines Energiekonzerns ändern, weil die Suchvervollständigung hinter den Firmennamen des Energieanbieters "Direct Energie" das Wort "Betrüger" gesetzt hatte. Ein Japaner konnte sich erfolgreich dagegen wehren, dass sein Name mit Verbrechen in Verbindung gebracht wurde, die er nicht begangen hatte.

PR-Aktion für das neue Buch?

Kann also auch Bettina Wulff Hoffnung schöpfen, von Google in Zukunft nicht mehr in den Kontext "Prostituierte" gesetzt zu werden? "Es ist eine ganz schwierige Fragestellung, weil möglicherweise dadurch auch Meinungsfreiheit eingeschränkt und Berichterstattung abgeschnitten wird", sagt Medienanwalt Solmecke. Die Frage sei, ob so etwas politisch gewollt sein kann.

Porträt von Bettina Wulff (Foto: dpa)

Kostenlose PR? In ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" will Bettina Wulff ihre Sicht der Dinge erklären

Bettina Wulff wird noch im September ein Buch veröffentlichen, wo sie zu den Vorwürfen Stellung beziehen und aus ihrer Zeit als Bundespräsidentengattin berichten will. Schon behaupten Stimmen, sie wolle durch die Klagen nur PR für ihr Buch machen. "Sie ist in vielfacher Hinsicht das Opfer in dieser Geschichte. Sie sagt, sie habe das auch alles machen wollen mit Blick auf ihre Kinder. Ihr Sohn Leander, der kann schon googeln". Wenn der den Namen der Mutter eingebe, dann tauche da das Wort Prostitution auf, sagt SZ-Journalist Leyendecker. "Das ist nicht schön".

Außerdem bleibt die Frage, ob sich Bettina Wulff mit der Einreichung der Klage überhaupt einen Gefallen getan hat. Durch das breite öffentliche Medienecho wird nun auch der Letzte von den Rotlicht-Gerüchten erfahren. Hier sieht Hans Leyendecker eher Google in der Schuld: "Ich finde die Haltung von Google merkwürdig, dass man sagt: das ist Pressefreiheit. Es ist nicht Pressefreiheit, Dreck zu veröffentlichen."

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