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Digitales Leben

Bei Google schrumpft die Welt

Die Suchmaschine Google hat aufgelistet, welche Themen im Netz 2012 am meisten gefragt waren. Dabei kommen teils kuriose Eigenheiten einzelner Länder zum Vorschein.

Es war ein kleiner, aber folgenreicher Schritt. Am 14. Oktober 2012 sprang Felix Baumgartner aus knapp 40 Kilometern Höhe auf die Erde herunter und sicherte sich damit seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Wer diesen Nervenkitzel noch einmal erleben möchte, kann dies bei Google tun. Unter der Bezeichnung "Google Zeitgeist 2012" zeigt die Suchmaschine ein eindrucksvolles Video, das die bewegendsten Momente des zu Ende gehenden Jahres zusammenfasst - mit Baumgartners Sprung als erster Einstellung. Ähnlich perfekt inszeniert wie ein Hollywood-Blockbuster.

Doch das Video ist nicht alles, was der Google-Jahresrückblick 2012 zu bieten hat. 1200 Milliarden Suchanfragen in 146 Sprachen wurden eigenen Angaben zufolge ausgewertet, um herauszufinden, was die Welt 2012 bewegt hat. Das Ergebnis ist manchmal vorhersehbar, bisweilen überraschend.

Vom Gangnam Style bis zu australischem Bier

Schauspieler Dirk Bach. Foto: Hermann J. Knippertz/AP/dapd

Dirk Bach war eine Ikone des deutschen Trash-Fernsehens, aber auch ein geachteter Bühnenschauspieler.

Die weltweit meistgesuchte Person war die Sängerin Whitney Houston, die im Februar 2012 gestorben ist. In Deutschland war es der Comedian Dirk Bach, der am 1. Oktober überraschend verstorben war.

Dass der Rapper PSY mit seinem Gangnam-Style nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gefragt war, ist eine wenig überraschende Tatsache. Die Deutschen wiederum, auch wenig überraschend, interessierten sich sehr für den amtierenden Fußballmeister Borussia Dortmund, die wichtigsten Sportanfragen drehten sich aber um die Fußballeuropameisterschaft.

Interessant wird der "Google Zeitgeist 2012" allerdings, wenn man über die deutschen Grenzen hinweg blickt und Vergleiche zieht. Abseits globaler Trends und weltweiter Interessen hat jede Nation offenbar ihre ganz eigenen Such-Kategorien. In der Schweiz zum Beispiel wird viel nach Berggipfeln gegoogelt. In Norwegen nach Kochrezepten und Reisezielen. Indiens Suchanfragen sind meistens national ausgerichtet: Bollywood-Filme, indische Persönlichkeiten. In Singapur interessierte man sich sehr dafür, wie man DJ wird, in Australien gehört "Carlton Draught" zu den prominentesten Bieren.

Österreichische Brotkrustenbomben

Und die Überraschung beim deutschen Nachbarn Österreich: Unter den ersten vier meistgesuchten Begriffen findet man die Frage: "Was sind Brotkrustenbomben?" Wer jetzt an eine österreichische Delikatesse denkt, ist schief gewickelt. Es handelt sich vielmehr um Brocken aus Lava, die bei einem Vulkanausbruch herausgeschleudert werden. Warum sich die Österreicher genau für dieses Thema so brennend interessierten? Es war eine Frage, die bei einer Millionen-Quizshow gestellt wurde.

Beim Durchstöbern der Seite lassen sich aber auch ernste Themen ausmachen. So fällt bei Südafrika das große Interesse der Internetnutzer nach Gesundheitsfragen auf. Bei den "Was ist"-Fragen zum Thema Gesundheit sind unter den ersten fünf die Begriffe AIDS, HIV, Krebs und Tuberkulose zu finden. Es wird deutlich, dass die Immunschwächekrankheit im Land immer noch große Ängste auslöst. Auch die Nummer zwei unter den allgemeinen Verständnisfragen der südafrikanischen Internetnutzer, "Was ist Armut?" ist eine Frage, die in den Listen anderer Länder nicht auftaucht.

Demonstrationsteilnehmer protestieren in Frankfurt am Main gegen das Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen ACTA. 
Foto: Martin Oeser/dapd

Demonstration gegen ACTA in Frankfurt am Main

Deutsche Verhältnisse?

Auch nicht bei den Deutschen. Dabei sagt man ihnen doch nach, sie seien zu sorgenvoll. Ein Blick in die deutschen Google-Suchtrends zeichnet ein anderes Bild. Zwar deuten einige Auswertungen auf Krisen hin - der taumelnde Automobilhersteller Opel konnte im laufenden Jahr den höchsten Zuwachs an Such-Clicks verbuchen. Allerdings fehlt hier auch eine Liste der Suchanfragen zu den wichtigsten nachrichtlichen oder politischen Themen. Weder die Eurokrise noch der Armutsbericht oder Hartz IV kommen vor.

Während Amerikaner fragen, was unter SOPA zu verstehen sei (gemeint ist ein Abkommen zur Bekämpfung von Internetpiraterie), haben die Deutschen anscheinend keinen derartigen Wissensdurst. Wohl aber die Nachbarn aus Österreich. Die Frage nach ACTA (ein europäisches Pendant zu SOPA) ist dort an erster Stelle zu finden. Wenn man sich vor Augen führt, dass auch in Deutschland viele Zehntausende gegen ACTA auf die Straße gegangen sind, hängt das Bild etwas schief: Glaubt man der Google-Seite, meint man, dass Deutsche sich nur für Fußball, Gangnam Style und TV-Trash wie das Dschungelcamp interessieren.

Ein Demokrat wartet mit Spannung auf dasErgebnis der US-Wahl 2012 EPA/SHAWN THEW

Spannung am US-Wahltag

In den Vereinigten Staaten sorgte der Hurrican Sandy für steigende Suchanfragen. Und natürlich der dramatische Showdown bei den US-Wahlen zwischen dem Amtsinhaber Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Die Deutschen interessierten sich am meisten für die Eskapaden ihres Staatsoberhauptes Christian Wulff, der die Kanzlerin Angela Merkel bei den Anfragen eindeutig schlug. Allein die Gattin des ehemaligen Bundespräsidenten, Bettina Wulff, war eine der meistgesuchten Personen auf Google Deutschland.

Eine Frage des Zeitgeistes

Am Google-Konzern und seinem immer umfassenderen Angebot führt im Internet inzwischen kaum ein Weg mehr vorbei. Etwa 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland laufen bislang über die Server des kalifornischen Unternehmens. So bedrohlich diese Marktmacht auch sein mag, so viel bietet sie natürlich auch. "Google Zeitgeist 2012" lässt die Welt zusammenschrumpfen und lädt zum Stöbern ein.

Übrigens scheitert man dabei an den Ergebnissen von Ländern wie China, Russland, Israel oder Ägypten. Das liegt nicht etwa an Internetzensur oder anderen Repressalien, sondern ganz einfach daran, dass sämtliche Google-Ergebnisse in den entsprechenden Schriften und Schriftzeichen dargestellt werden.

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