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Medien

Auszeichnung für Migrationsgeschichten

In Berlin ist der Kausa Medienpreis für die besten Geschichten über den schulischen und beruflichen Werdegang von Migranten vergeben worden. Den ersten Preis der Kategorie Hörfunk gewann eine Autorin der Deutschen Welle.

Unternehmer, die mit kreativen Ideen erfolgreich sind. Eltern, die alles in Bewegung setzen, damit ihr Kind in der Schule eine faire Chance hat. Schülerinnen, die sich eine sichere Zukunft wünschen. Mit dem Kausa Medienpreis werden Print-, Hörfunk- und Fernsehbeiträge ausgezeichnet, die Geschichten über Menschen mit Migrationshintergrund erzählen. Bei dem Preis, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird, soll es um diejenigen gehen, die es geschafft haben, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Das sind in Deutschland nicht wenige und doch wird noch zu wenig über sie berichtet.

Thorsten Karbach, Kausa Preisträger, Redakteur der Aachener Zeitung (Foto: DW/Kouparanis)

Thorsten Karbach hat einen Lehrer porträtiert, der aus Kongo dem stammt

Um eine solche Berichterstattung zu fördern, hat Bildungsministerin Annette Schavan den Kausa Medienpreis ins Leben gerufen. Er richtet sich explizit an Nachwuchsjournalisten, die sich dem Thema Migration stellen. "Integration voranbringen", das ist ihr Ziel und es soll erreicht werden, indem Geschichten von den 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, erzählt werden. "So viele sind es inzwischen", fügt die Ministerin hinzu. "Es sind 16 Millionen Menschen, die unsere Gesellschaft und unser gemeinsames Zusammenleben prägen und zu den Kräften gehören, die zum Zusammenhalt dieser Gesellschaft beitragen. Anhand dieser Geschichten werden aus Beispielen Vorbilder".

Integration und Aufstieg über Bildung

KAUSA Medienpreis, Jurymitglieder und Gewinnerinnen (Foto: DW/Kouparanis)

Über Vorbilder erzählen - Kausa-Jurymitglieder und -Gewinner

Nicht nur die Integration in eine Gesellschaft, sondern auch der soziale Aufstieg von Migranten gelingt häufig über Bildung. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass das Thema Schule Gegenstand gleich mehrerer Beiträge ist, die nun einen Kausa-Preis gewonnen haben. Der Journalist Thorsten Karbach porträtierte in seinem prämierten Zeitungsbeitrag einen Lehrer an einer Hauptschule der westdeutschen Stadt Aachen. Der aus dem Kongo stammende Lehrer gehört zu den lediglich zwei Prozent Lehrern an deutschen Schulen, die einen Migragionshintergrund haben. In der Aachener Hauptschule, die in einem Viertel mit vielen sozialen Problemen liegt, unterrichten mehrere Lehrer mit Migrationshintergrund. Und gerade diese Lehrer sind es, die auch nach der Schule für ihre Schüler ein offenes Ohr haben. "Diese Lehrer haben selbst erlebt, dass sie trotz hervorragender Qualifikationen am Ende 'nur' eine Stelle an einer Hauptschule bekamen. Sie wissen welche Hürden es zu meistern gilt. Das können sie jetzt ihren Schülern vorleben und ihnen zeigen: hey, es lohnt sich, sich anzustrengen", sagt Karbach.

Erster Preis für DW Hörfunkstück

Die Geschichte genau so einer Lehrerin erzählt Heike Mohr in ihrer Radioreportage, die sie für die Bildungsredaktion der Deutsche Welle gemacht hatte. Mit dem Beitrag, der im Studentenmagazin Studi-DW gesendet wurde, hat sie den ersten Preis in der Kategorie Hörfunk gewonnen. Die Heldin ihrer Geschichte ist Leyla Dilbaz, eine 25-jährige Hauptschullehrerin türkischer Herkunft. Sie selbst hatte als Schülerin eine Hauptschule in Bonn besucht und es danach mit großem persönlichen Einsatz geschafft, zu studieren und als Lehrerin in ihre alte Schule zurückzukehren. Diese Biografie motiviert auch die Schüler, meint Heike Mohr: "An der Schule sind sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund. Frau Dilbaz ist ein großes Vorbild für die Kinder, weil sie ihnen vorgelebt hat, was man alles schaffen kann. Das hört man an der Art, wie sie über diese Lehrerin sprechen. Sie sind total von ihr begeistert. Da hat man das Gefühl, diese Lehrerin lockt Potentiale wach".

Auch die deutsche Gesellschaft muss sich öffnen

Gruppenbild der Preisträger - Kausa Medienpreises 20012 (Foto: DW/Kouparanis)

Gruppenbild mit Preisträgern

Damit die Integration von Migranten gelingt, muss sich aber auch die deutsche Gesellschaft öffnen, zum Beispiel, indem mehr Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst angestellt werden. Das passiert zunehmend. Die Stadt Hannover hatte vor Jahren beschlossen, in der Kommunalverwaltung den Anteil an Beschäftigten, die einen Migrationshintergrund haben, auf zehn Prozent zu verdoppeln. Wie Arne Schulz in seinem ebenfalls prämierten Hörfunkbeitrag zeigt, war dieser Beschluss notwendig geworden, weil die Verwaltungsleiter von sich aus keine Notwendigkeit für eine solche Einstellungspolitik sahen. "Die haben kein Gespür dafür, wie wichtig das ist, bei den Einstellungen darauf zu achten, dass auch Migranten eingestellt werden", sagt Schulz. Die Stadt Hannover hat einen sehr hohen Migrantenanteil und dabei, so Schulz, sei es sehr wichtig, dass auch in den Ämtern Menschen seien, "die im Zweifel, die ganze Angelegenheit z.B. auf Türkisch erklären können."

Den Menschen nahe kommen

Ulf Poschardt, stellv. Chefredakteur der Welt-Gruppe des Springer Verlages (Foto: DW/Kouparanis)

Ulf Poschardt ist über die hohe Qualität der Beiträge überrascht

Man merkt den prämierten Beiträgen an, dass die Journalisten den porträtierten Migranten Sympathie entgegen bringen. Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung DIE WELT, Ulf Poschardt, bezeichnet diesen positiven Blick als einen hohen Grad an Idealismus, der für ihn beim Thema Migration durchaus nachvollziehbar sei. Als Jurymitglied musste er aber über die Qualität der Beiträge entscheiden. Deshalb stellte er sich bei jedem Einzelnen der eingereichten Beiträge die Frage: "Wenn es jetzt nicht das Thema gewesen wäre, ist es auch dann noch ein sehr guter Artikel, ist es auch dann noch ein sehr guter Fernsehbeitrag oder eine lohnenswerte Hörfunkreportage? Und vor diesem Hintergrund war ich überrascht von der Qualität der Texte, die mir vorlagen.“

Die jungen Journalisten, die nun mit dem Kausa Medienpreis ausgezeichnet worden sind, verstehen ihr Handwerk. Mit ihren Geschichten schaffen sie es, nicht nur den Blick für die Herausforderungen von Migranten in Deutschland zu öffnen, sondern vor allem den Menschen nahe zu kommen.

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