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Aussenhandel

Auch die Exporteure spüren die Krise

Europa ist und bleibt trotz Schuldenkrise der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Waren. Und so geht auch an den erfolgsverwöhnten deutschen Exportunternehmen die Euro-Krise nicht spurlos vorüber.

BMW-Werk in Leipzig

BMW-Werk in Leipzig

Noch verkaufen sich deutsche Waren trotz Schuldenkrise gut. Die Exportwirtschaft profitiert vom schwächeren Euro und günstigen Zinsen. Da bleibt manch neidvoller Blick, vor allem aus den hoch verschuldeten Ländern wie Spanien oder Italien, nicht aus. Bei ihnen lief das Exportgeschäft vor der Euro-Einführung auch wesentlich einfacher. Ging es mit den Ausfuhren einmal bergab, dann wurde die jeweilige Landeswährung abgewertet, was die Produkte billiger machte.

Ilja Nothnagel vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält nichts von Vorwürfen, es gibt vereinzelt sogar Verschwörungstheorien, dass Deutschland als Hauptprofiteur der Krise im Grunde doch gar kein Interesse an einer raschen Lösung habe: "Es ist doch so, dass Deutschland für 18 Länder in Europa der wichtigste Absatzmarkt ist. Das heißt, die gute Konjunktur hierzulande hilft auch unseren Partnern in Europa wieder zurück auf Wachstumskurs zu kommen."

Maschinenbauer zehren von dicken Auftragsbüchern

Im Maschinenbau zeigt sich nun die Unsicherheit über die Entwicklung der Konjunktur. Aber die Schlüsselbranche hat einen Sicherheitspuffer - viele Firmen zehren noch von dicken Auftragsbüchern. In Ansätzen, so Olaf Wortmann vom Verband der Deutschen Maschinenbauer (VDMA), spüre die Branche die Euro-Krise.

Spanien und Italien stecken tief in der Rezession. Und so hätten die Maschinenbauer im ersten Halbjahr bei den Exporten in diese Länder ein Minus von zwei Prozent hinnehmen müssen, sagt Wortmann. Das sei aber nicht all zu viel: "Wir haben uns allerdings darauf eingestellt, dass wir in der zweiten Jahreshälfte hier doch noch mal ein höheres Minus sehen könnten." Auf der anderen Seite seien die Exporte für Maschinen und Anlagen nach Spanien um zwei Prozent gewachsen: "Das ist ja eine richtig robuste Situation", so der VDMA-Vertreter. Aber auch hier rechne der Verband für die zweite Jahreshälfte mit einem Minus.

Maschinenbau Triebwerk (dapd)

Nach einem Rekordjahr gehen die Aufträge im Maschinenbau "auf normal" zurück

Im ersten Halbjahr habe es insgesamt bei den Maschinenbauern einen Auftragseingang gegeben, der sieben Prozent unter Vorjahresniveau lag. Aber das nannte Wortmann eine "Normalisierung". 2011 war ein Rekordjahr. Da habe eine richtige "Aufholjagd" stattgefunden. Denn durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2009 waren die Bestellungen im deutschen Maschinenbau regelrecht eingebrochen.

Europa wichtigster Markt für deutsche Waren

Europa ist immer noch der wichtigste Markt für deutsche Produkte. Ungefähr 60 Prozent der Exporte gehen in die Länder des Kontinents. Und so sei es ganz natürlich, dass die Exportwirtschaft die Auswirkungen der Schuldenkrise spüre, sagt Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes (BGA). Die deutschen Ausfuhren seien seit Jahresbeginn um mehr als vier Prozent gewachsen. Das beruhe aber vor allem auf der Dynamik in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Börner mahnt, die Krise rasch zu meistern. Denn, sollte Europa in erhebliche Turbulenzen kommen, dann wäre die Weltwirtschaft davon massiv betroffen.

Die deutschen Exporteure blicken weiterhin mit großen Erwartungen auf das Asiengeschäft. In diesem Jahr hat aber auch die Wachstumslokomotive China bereits an Dampf verloren. So langsam wie im zweiten Quartal ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt seit der globalen Finanzkrise nicht mehr gewachsen.

Und so sind auch die Exporte der Maschinenbauer in die Volksrepublik China in den ersten fünf Monaten gesunken. "Das kann ich allerdings relativieren", sagt Olaf Wortmann vom VDMA: "Denn wir hatten jetzt neun Jahre lang hintereinander starke Wachstumsraten und konnten insgesamt das Geschäft verdreifachen. Insofern sind die elf Prozent Minus wirklich kein bemerkenswerter Rückgang gewesen."

Das Exportgeschäft schafft Arbeitsplätze

Die Exportunternehmen sorgen nicht nur für Wirtschaftswachstum in Deutschland, sondern auch für Arbeitsplätze. Daher hätten Befürchtungen, dass Jobs durch das Auslandsengagement der Firmen in Deutschland abgebaut würden, keinen Bestand, sagt Ilja Nothnagel vom DIHK: "Es ist eher anders herum. Die Unternehmen, die sich weltweit engagieren und auch vor Ort Produktionsstätten aufbauen, die stärken auch ihren heimischen Standort und die Arbeitsplätze in Deutschland."

Zu den Exportschlagern Deutschlands gehören nach wie vor Autos und Maschinen. Aber auch die Chemieindustrie mischt kräftig mit - sowie die Stahlbranche. So werden beispielsweise 50 Prozent der heimischen Stahlprodukte ins Ausland exportiert.

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