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Versicherungen

Atomunfälle nicht versicherbar

Es ist heute möglich, sich gegen fast alle Unwägbarkeiten des Lebens abzusichern. Doch die Folgen eines atomaren GAUs oder Super-GAUs sind unkalkulierbar und werden von der Branche nicht abgedeckt.

Strahlungswarnung auf verrostetem Behälter (Foto: Fotolia)

Kein Versicherer übernimmt die Kosten einer Reaktorkatastrophe

Die finanziellen Folgen einer atomaren Katastrophe wiegen so schwer, dass es weltweit keinen Versicherer gibt, der sie übernimmt. Auch die Deutsche Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft in Köln (DKVG), die in dem japanischen Kraftwerk Fukushima Schäden in einem mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich abdeckt, werde nicht geradestehen müssen, sagt Geschäftsführer Dirk Harbrücker. Denn bei Unfällen, die durch Erdbeben oder durch einen Tsunami ausgelöst werden, muss der Pool der Versicherer nicht zahlen, so Harbrücker im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Ungeliebte Atomrisiken

Feuerwehr nach einem Transformator-Brand im AKW Kruemmel (Foto: AP)

Kleinere Zwischenfälle - ein Versicherungsfall

In der DKVG haben sich deutsche Versicherer und Rückversicherer in einem Atompool zusammengeschlossen. Es ist ein komplexes Regelwerk: Der Atompool deckt für jedes Atomkraftwerk bis zu 256 Millionen Euro Schäden ab, die Dritte erleiden. Die Betreiber eines Atomkraftwerks haften ab dieser Summe unbegrenzt mit ihrem gesamten Vermögen. Außerdem gibt es die gesetzliche Pflicht, eine Deckungsvorsorge zu organisieren. Und so ist eine Solidargemeinschaft der vier großen Kernkraftbetreiber in Deutschland entstanden. Denn wenn der Schaden größer und der Betreiber gar zahlungsunfähig ist, dann springen die übrigen Energieversorger ein. Sie haften für Schäden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro: "In Deutschland zum Beispiel", sagt Harbrücker, "tritt der Staat nur subsidiär ein, wenn von den Versicherern oder aber auch von den Betreibern nichts zu holen ist."

Bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im April 1986 habe es derartige gesetzliche Regelungen nicht gegeben, so Harbrücker: "Damals war das noch die UdSSR und da gab es noch kein Haftungssystem, wie wir das heute kennen." Und in deutschen Atomkraftwerken sei es bislang glücklicherweise noch zu keinen großen Haftpflichtschäden gekommen. Vor vielen Jahren habe die Versicherungsgemeinschaft hierzulande allerdings einmal für einen Schaden eintreten müssen, sagt der Geschäftsführer. Dabei sei es lediglich um eine Summe zwischen 10.000 und 15.000 Euro gegangen: "Aber da wissen wir gar nicht mehr so genau, wo für das war."

Kernkraft – die billigste Energie?

Gelbe Greenpeace-Tonne und Atombomben-Attrappe (Foto: AP)

Seit Jahren kämpft Greenpeace gegen Atomkraftwerke

Auch wenn in Deutschland noch keine großen atomaren Unfälle geschehen sind, für Umweltorganisationen wie Greenpeace bleibt die Kernkraft die gefährlichste Form der Stromerzeugung. Und nicht nur das: die Kernkraft sei auch nicht - wie vielfach angepriesen - die billigste Energie. In einer Studie hält die Organisation fest, dass die Nutzung der Atomenergie in Deutschland die Bundesbürger von 1950 bis heute mindestens über 200 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln gekostet hat. Und das, sagt Tobias Riedl von Greenpeace, sei noch nicht alles: "Wenn man daran denkt, dass der hochradioaktive Atommüll für eine Million Jahre eingelagert werden muss, dann ist es ganz schwierig, hier Kostenschätzungen anzustellen, die noch auf uns zukommen werden." Aber eines sei heute schon sicher: diese Kosten werde die Allgemeinheit zu tragen haben, so Riedl gegenüber DW-WORLD.DE.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Rolf Wenkel