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Informationstechnologie

Als die Handys das Piepsen lernten

Sie war eine der großen Innovationen Anfang der 1990er Jahre: Die Kurznachricht auf dem Handy. Heute werden weltweit täglich Millionen verschickt. Neue Techniken aber drängen die SMS ins Abseits.

"Komme später; muss noch was erledigen. CU HDL" - ein Text, wie er ganz typisch für eine SMS (Short Message Service) ist, inklusive der gern verwendeten Abkürzungen. "CU HDL" steht in diesem Fall für "ich sehe dich später; hab dich lieb" Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich bei SMS-Schreibern ein regelrechter Kult für Abkürzungen dieser Art entwickelt. Es gibt Internetseiten, die sich mit nichts anderem beschäftigen und Hunderte solcher Abkürzungen auflisten.

Sich besonders kurz fassen, das muss bei der SMS sein, denn die Standard-Kurzmitteilung darf nur maximal 160 Zeichen lang sein. Das klingt zwar, als hätten die Erfinder der SMS nicht aufgepasst - in Wahrheit steckt aber Absicht dahinter: Seit Mitte der 1980er Jahre wurde das Konzept für die SMS entwickelt, das Vorbild waren Postkarten und Telex-Nachrichten. Und als sich die Techniker diese genauer anschauten, stellten sie fest, dass praktisch alle diese Nachrichten weniger als 160 Zeichen enthielten - so kam man seinerzeit auf die Maximallänge.

Die SMS wird 20

"Frohe Weihnachten" - der Mutter der Kurzmitteilungen

Als vor 20 Jahren, am 3. Dezember 1992, die weltweit erste SMS-Nachricht verschickt wurde, gab es kaum jemanden, der davon Notiz nahm. Wie auch? Das digitale D-Netz - Voraussetzung für die Übertragung der SMS-Nachrichten - war in Deutschland erst ein knappes halbes Jahr zuvor an den Start gegangen. Und die ersten Handys, obwohl sie rund 1500 Euro kosteten, konnten die Kurznachrichten weder senden noch empfangen. Konsequenterweise wurde die erste SMS auch nicht von einem Handy, sondern per Computer verschickt. Der Text ist sogar überliefert: "Merry Christmas" wünschten sich die britischen Vodafone-Techniker, die den Dienst als Erste testen durften.

Milliarden scheffeln mit der SMS

Mobilfunkexpertin Rafaela Möhl vom Online-Portal teltarif.de (Foto: teltarif)

Mobilfunkexpertin Rafaela Möhl

Dass sich die SMS für die Mobilfunkanbieter einmal zu einer regelrechten Goldgrube entwickeln würde, auch das war am Anfang nicht abzusehen. Erst nach und nach kamen die Unternehmen auf die Idee, für die Übertragung der Nachrichten Geld zu verlangen, sagt Rafaela Möhl, Pressesprecherin des Online-Dienstes teltarif: "Das war etwas, was im Netz quasi so mitgelaufen ist; teilweise war das Verschicken von SMS am Anfang sogar kostenlos." Mit dem Boom des Mobilfunks ab Mitte der 1990er Jahre änderte sich das schnell. Und auch die Zahl der Nachrichten wuchs explosionsartig: Bereits 1996 wurden etwa 100 Millionen SMS in Deutschland verschickt; im vergangenen Jahr - 2011 - waren es nach Schätzungen der Bundesnetzagentur 46 Milliarden. Bei einem Preis von bis zu 10 Cent pro Mitteilung haben die Mobilfunkanbieter mit den kurzen Nachrichten lange sehr viel Geld verdient.

Die Konkurrenz kommt aus dem Internet

Urs Mannsmann (Foto: c't)

Urs Mansmann ist Redakteur bei der Computerzeitschrift c't

Diese Zeiten sind langsam vorbei. Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones gibt es neue Möglichkeiten, Nachrichten zu verschicken. Die Mobilfunkanbieter bekommen das bereits zu spüren, sagt Urs Mansmann, Redakteur bei der Computerzeitschrift c't: "Die SMS hat ihren Zenit überschritten, sie wird inzwischen von Internetdiensten verdrängt." Die Netzbetreiber reagierten darauf, indem Sie ihren Kunden die SMS im Kontingent quasi kostenlos für einen Fixbetrag zur Verfügung stellen. "Das führt dazu, dass die Zahl der SMS im Moment stagniert, aber der Umsatz für die Netzbetreiber bricht schon ein." Die Internetdienste, von denen Mansmann spricht, das ist vor allem das Programm WhatsApp. Das Programm, für das Nutzer des iPhone beispielsweise einmalig 89 Cent bezahlen müssen, überträgt alle Nachrichten über das Internet und ohne diese einzeln in Rechnung zu stellen. Die Länge der Textnachrichten ist nicht begrenzt und zudem lassen sich auch Fotos und Videos übertragen. Der Nachteil: Sowohl Versender als auch Empfänger von WhatsApp-Nachrichten müssen das Programm installiert haben. Für traditionelle Handys, die keine Daten über das Internet übertragen können, ist WhatsApp nicht verfügbar. Den Siegeszug des Programms hat das nicht aufhalten können; inzwischen sollen tagtäglich mehr als zehn Milliarden Nachrichten über das System übertragen werden.

Mobilfunkanbieter nehmen neuen Anlauf mit Joyn

Smartphone mit WhatsApp (Foto: DW/Brunsmann)

Die WhatsApp App

WhatsApp bringt damit nicht nur das SMS-Geschäftsmodell der Mobilfunkfirmen in Gefahr. Das Programm hat quasi im Handstreich auch die 'Stiefschwester' der SMS, die 'Multimedia Message' erledigt. Die MMS wurde vor etwa zehn Jahren in Deutschland eingeführt und ist gedacht, um längere Nachrichten, Bilder oder kurze Videos zu versenden. Allerdings lassen sich die Mobilfunkanbieter diesen Dienst gut bezahlen – teilweise werden noch heute pro Nachricht knapp 40 Cent fällig. Um sich von den Internetdiensten wie WhatsApp aber nicht komplett verdrängen zu lassen, haben die Mobilfunkanbieter jetzt ein neues System ins Leben gerufen. Es heißt 'Joyn' und steht in Deutschland unmittelbar vor einer flächendeckenden Einführung. Rafaela Möhl vom Online-Dienst teltarif bezweifelt allerdings, dass die Mobilfunkanbieter damit gegen die neue Konkurrenz noch ankommen: "Im Moment würde ich sagen, sie werden es ein bisschen schwer damit haben. WhatsApp hat einfach einen riesigen Vorsprung. Joyn müsste schon einen großen Vorteil bieten, aber den sehe ich momentan nicht."

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