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Alles geplant?

Schon bevor wir geboren werden, bestimmen Pläne unser Leben. Nach der Familienplanung geht es vom Stundenplan bis zur Karriereplanung in ein durchgeplantes Leben. Die Deutschen sind darin Meister – selbst im Urlaub.

Woran erkennt man einen deutschen Touristen im Ausland? Richtig, er ist in Funktionskleidung gehüllt, ordentlich mit Sonnencreme eingeschmiert, hat eine Kamera auf der Brust und läuft mit Socken in Sandalen durch die Gegend. Viel bezeichnender ist aber die Tatsache, dass er mit Reiseführer und Stadtplan „bewaffnet“ ist. Denn vom planlosen Sich-Treiben-Lassen hält er nicht viel. Und „der“ Deutsche plant gerne, besonders Reisen. Reisepläne schmiedet er bereits zum Jahresende – akribisch an seinem heimischen Schreibtisch, so dass zum Jahresanfang klar ist, wohin gereist wird.

Durchkreuzte Pläne

Ein Ehepaar steht auf der Straße und studiert einen Stadtplan

Ohne Stadtplan geht's für den Deutschen auf Reisen nicht

Unruhig wird „der“ Deutsche allerdings, wenn etwas unverhofft seine Pläne durchkreuzt. Wenn das, was bis ins kleinste Detail schon seit vielen Wochen oder Monaten von langer Hand geplant war, plötzlich aus irgendeinem Anlass, der nicht eingeplant wurde, misslingt. Naturgemäß kommt „der“ Deutsche nämlich nicht damit zurecht, wenn sein Plan nicht aufgeht oder gar zu scheitern droht. Planungssicherheit ist wichtig.

Er kann es nicht leiden, wenn Unvorhersehbares plötzlich ins Spiel kommt, Unkalkulierbares und somit Unplanbares wie aus dem Nichts auf den Plan tritt, wenn improvisiert werden soll. Reist „der“ Deutsche zum Beispiel in südeuropäische Länder, wird seine Flexibilität schon mal hart auf die Probe gestellt. Wir wollen ein typisch deutsches Ehepaar, nennen wir es die Fischers, auf seine Reise in den Süden begleiten und beobachten.

Ein perfekt ausgetüftelter Plan

Ein Mann steht vor einer Anzeigentafel

Wer konnte schon die außerplanmäßige Verspätung vorhersehen?

Heute geht es endlich los: Zwei Wochen Urlaub und nichts kann schief gehen, denn frei nach dem Motto „Gut geplant ist halb gewonnen“ hat Herr Fischer alles bedacht und kalkuliert, um nichts dem Zufall zu überlassen – und zwar vom ersten Urlaubstag an. Mit einem letzten Kontrollblick in die Unterlagen vergewissert er sich, dass alles nach Plan läuft: „Der Flieger landet um 09 Uhr 40, dann nehmen wir die Fähre zur Insel um 10 Uhr 50 und von der Anlegestelle den Bus um 12 Uhr 40. So sind wir um 13 Uhr 15 im Hotel. Mittagessen gibt es bis 14 Uhr. Perfekt! Danach nehmen wir an der Stadtführung um 15 Uhr teil und haben abends um 18 Uhr noch Zeit für die Bootstour.“

Ein von Herrn Fischer im Grunde exakter und effizienter Plan, den er da gemacht und in Feinarbeit ausklamüsert hat. Doch dann die Ernüchterung am Flughafen: Die nette freundliche Stimme am Mikrofon teilt mit, dass der Flug leider eine außerplanmäßige Verspätung von drei Stunden hat. Derlei Unwägbarkeiten hatte Herr Fischer selbstverständlich nicht eingeplant. Was nun? Der ganze mühsam durchdachte, ausgetüftelte Plan, wie es nach Ankunft am Reiseziel weitergehen soll, gerät ins Wanken.

Bedeutung, Herkunft und Verwendung

Symbolbild Baustelle mit einer Computertastatur, einem Bauhelm

Ohne exakten Bauplan würde das Haus auf wackeligen Beinen stehen

Überbrücken wir die Wartezeit und wenden uns der Herkunft des Wörtchens plan zu. Dabei müssen wir erst einmal eingestehen, dass es seine Wurzeln in der Sprache unserer Nachbarn, im Französischen hat. Plan ist ein französisches Lehnwort, das aus dem Lateinischen kommt. Das französische plan geht auf lateinisch planta zurück, was „Fußsohle“ heißt. Ein Plan bezeichnet ursprünglich einen Grundriss. Und so ist es auch heute noch.

Denn laut Duden bezeichnet das Wort Plan einen Entwurf, eine Skizze oder eine Übersicht. Es findet in etlichen zusammengesetzten Nomen wie Bauplan, Stadtplan, Fahrplan, Arbeitsplan Anwendung. Hängt man die Silbe „–ung“ an, so ergibt sich das Nomen Planung, welches die Ausarbeitung eines Plans bezeichnet. Machen wir beispielsweise einen Plan für das Wochenende, so beschäftigen wir uns mit der Wochenendplanung. Mit „Plan“ kann aber auch eine Absicht oder ein Bestreben bezeichnet werden: Mein Plan ist es, in den USA Medizin zu studieren. Das heißt, ich habe es vor, ich plane es. Wenn alles klappt, dann läuft es nach Plan, also planmäßig.

Kein Plan B – und was nun?

Zwei Stühle, ein gedeckter Tisch stehen am Meer

Ende gut, alles gut – trotz aller umgeworfenen Pläne

Ganz und gar nicht planmäßig läuft es für die Fischers nach ihrer über drei Stunden verspäteten Ankunft. In dem kleinen Häuschen der Touristeninformation scheint schon seit Jahren keiner mehr gesessen zu haben. Und von den Passanten ringsherum hat noch nie jemand von einem Shuttle-Bus zum Hotel „Mare“ gehört. „Die haben hier ja überhaupt keine Ahnung, keinen Plan, völlig verplant sind diese Südländer“, stellt Herr Fischer gereizt fest. Ein alter Mann, der im Schatten einer Palme sitzt, entgegnet ungerührt, dass der Bus schon seit vergangenem Jahr nicht mehr fährt. Was nun? Die Zeit rennt, schließlich wollen die Fischers nicht auch noch die geplante Bootstour verpassen.

„Ich bin nicht bereit, die Pläne umzuwerfen, nur weil der Flieger Verspätung hatte. Immerhin haben wir Urlaub.“ Der alte Mann schlägt vor, dass sein Freund Paco die Fischers mit dem Auto zum Hotel bringt. Da Herr Fischer keine bessere Alternative weiß, versäumt hat, bei der Urlaubsplanung einen „Plan Bzu machen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als einzuwilligen. In einem kleinen Café gegenüber der Anlegestelle warten die Fischers nun auf Paco.

Alle Pläne über Bord werfen

Die Stunden verrinnen, kein Paco weit und breit. Herr Fischer hat mittlerweile resigniert und alle Pläne über Bord geworfen. Die Sonne ist jetzt ein dunkelroter Ball, der jeden Moment im Meer versinkt. Das Boot am Hotel ist schon längst ohne die Fischers losgefahren, die geplante Tour ist für sie ins Wasser gefallen. Egal. Das Café hat sich jetzt gefüllt. Jeder möchte gerne den Sonnenuntergang betrachten. Herr Fischer bestellt zwei Gläser Wein und der Kellner bringt eine Schale mit Oliven. Frau Fischer legt ihren Kopf auf die Schulter ihres Mannes und schmunzelt. Auf die alte Hafenmauer gegenüber hat jemand in blauer Farbe geschrieben: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl’ ihm von deinen Plänen.“ Jetzt kann der Urlaub losgehen.





Fragen zum Text

Was stimmt nicht? Wer „verplant“ ist, hat …
1. keinen Plan.
2. die Pläne umgeworfen.
3. keinen „Plan B“.

Welches Verb passt? Herr Fischer hat Urlaubspläne …
1. geschmiedet.
2. durchkreuzt.
3. verplant.

Durchkreuzte Pläne sind Pläne, die ...
1. zu scheitern drohen.
2. aufgehen.
3. ins Wanken geraten.

Arbeitsauftrag
Im Text findest du zwei Sprüche, die für unterschiedliche Einstellungen zum Thema Planen stehen. Bist du mehr ein Typ wie Herr Fischer, der nach dem Motto handelt:„Gut geplant ist halb gewonnen“ oder lebst du eher nach dem Motto: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.“ Begründe deine Wahl und diskutiere sie mit deinen Freunden oder deinem Kurs.

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